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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Blicherauktion. Bücherlotteric.

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Lotterien auf diesem Gebiete scheinen denn auch die frühesten gewesenzu sein; in Nürnberg veranstaltete die erste der Kunsthändler ErhardSchultheuß im Jahre 1701. Sie betraf nach dem zwei Bogen um-fassenden Katalogunterschiedliche schöne und rare Schildcreien, vonallerhand berühmten Meistern, curiosen Zeichnungen und künstlichenHand-Nissen, auch Kupffer-Stücken; wie auch rare, iu Wachs possirtezierliche Bilder u. dgl. mehr Lorivsiwewn". Das Los kostete einenGulden.^ Bücherlotterien sind dagegen erst später aufgekommen. InLeipzig ist die erste im Jahre 1735 vom Buchhändler und KommerzicnratJohann Heinrich Zedier veranstaltet worden.'^" Die Veranlassung wardie, daß er sich genötigt sah, aus alle Weise Barmittel zur Fortsetzungdes Drucks seines großen Universallcxikons von dem bis dahin zwölfBände fertig waren zu beschaffen. Unter dem 7. März veröffent-lichte er seineNachricht von 10000. chl. Büchern, welche dein ?nd1ieozum Besten vor 5000. thl. zn Leipzig verlassen werden sollen". Siebetraf Verlag und Sortiment. Es wurden 2000 Lose ausgegeben; dasLos kostete 2^ Thaler. Bei der Bezahlung des Loses erhielt mansogleich Bücher zu demselben Betrage, die man sich nach Belieben aus-wählen konnte. Von den übrigen 5000 Thalern waren hundert Nebcn-gcwinnc gemacht: zwei Hauptgewinne zu 1000 und 500 Thalcr, sieb-zehn in verschiedener Höhe von 250 bis 100 Thaler, cinundachtzig zu50, 20, 15 und 10 Thaler. Den Gewinnern der letzten einundachtzigGewinne wurden die 2^ Thaler an Büchern abgezogen, die übrigenGewinner hatten die 2^ Thaler bar zu bezahlen: beides wurde demLeipziger Waisenhause übergeben. Die Gelder waren t'i'lmec» einzusenden;wer 50 Lose lolligiertc, bekam ein Los gratis. Die Hauptmasse derBücher war geringwertig uud schon damals veraltet. In allen dreizehnGewinnstufcn herrschten kleine populäre, Schul- und Erbauungsbücher vor;die niedrigste setzte sich bis auf zwei Bücher ganz daraus zusammen.Dagegen fanden sich auch, besonders unter den Gewinnen von 100 Thalernan, wirklich wertvolle, sogar einzelne Bibliothckswcrkc darunter: soLohensteins Gedichte, RkNMii didliotUöcÄ porwlilis (10 Thaler), Schatz-kammer der Natur uud Kunst (24 Thaler), Jac. Böhmes theosophischcSchriften, Spcncrsche Werke, Schaubs Biblischer Wegweiser, die Wertevon Johannes ChrystostomuS (25 Thaler), theologische Werke von Marl .Chemnitz, Joh. Gerhard und Weyhcnmeyer, Luthers Kirchcupostille, Joh .