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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Bücherlotterie.In allen Bnchläden zu haben.'

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werden, daß sie etwas ganz Unbekanntes schon damals nicht mehr ge-wesen ist, wie sich auch daran zeigt, daß Zedler nur von dem erstenderartigen Unternehmen in Leipzig spricht. Das oben erwähnte Privilegdes Königsberger Buchhändlers Mich. Lange vom Jahre 1714 z. B.erstreckt sich neben den Bücherauktioneu auch zugleich auf die Abhaltungvorfallender Lottereyen", und man geht sicher nicht fehl, wenn mandarunter Bücherlottcricn versteht, besonders bei dem nahen Zusammen-hang:Bücherauktiones und vorfallende Lottereyen."

Der Gesamtinhalt unseres Kapitels zeigt eine buchhäudlerischc Organi-sation, einen buchhündlerischen Geschäftsbetrieb, die an Einheitlichkeit undLebendigkeit des Verkehrs, an Gründlichkeit und Leistungsfähigkeit imDienste der litterarischen Bedürfnisse die vorangegangenen Zeiten weithinter sich lassen und die Linien der neuzeitlichen Verfassung des Buch-handels klar und deutlich hervortreten lassen. Wohl ist noch die Rede vondenvielen aufgewendeten Unkosten, Sorge, Mühe, Lausten und Rennen,welche der Gelehrte anwenden müssen, che er zu seinem Vorrat kommen"(1718)^: fehlte doch z. B. dem Buchhandel noch ganz ein Organ, indem gesuchte Bücher angezeigt worden wären; aber der Klageruf des Ge-lehrten von: Jahre 1668: wie so viele Bücher vergessen würden, wie inFrankfurt in der Judengasse tausend herrliche Traktate lägen, die sehrverlangt würden, aber kein Mensch wisse, daß sie da seien:glaube daßeiner nicht übel fahren solte, welcher einen Catalogum aller Bücher ^ soin Franckfort seynd ^ und wo sie zu finden ^ verfertigte"^, w^- dochzu Ausgang unseres Zeitraums bei weitem nicht mehr so begründet.

Damals zuerst im Jahre 1717 in Leipzig begegnend^ ent-stand die Formel:In allen Buchläden zu haben." Verlagsort,Messe, jede Buchhandlung: sind die drei Bezugsquellen eines Buches.Der Felßeckersche O^WIoZus Univsi'SiüiL, Nürnberg 1740, sprichtvongegenwärtigen Büchern als auch von solchen, die man erst verschreiben,oder aber von denen Fraucksurt- und Leipziger Mcsseu in Zukunft wirdkommen lassen".Die Liebhaber können sich entweder nach Berlin oderwährend der Messe nach Leipzig an den Verleger selbst wenden, sonstcn aberihre Bestellungen andern Buchhandlungen Deutschlands auftragen", heißtes in einem Myliusscheu Katalog (Berlin ) vom Jahre 1765. Katalog undKorrespondenz waren die Hauptstützen dieser beständigen Bezugsmöglichkeit;