NN4
Kapitel: Der Buchhandel
jcnc Lagcrkatalogc, die ausdrücklich sich nicht auf den wirklichen Porratbeschränken, sondern eine Vollständigkeit aller Bücher überhaupt anstreben,sind typisch dafür. Welche Bedeutung die Kataloge besaßen, dafür sinduns oben verschiedene Belege aufgestoßen; führen wir hier noch an, daßsich z. B. in der Meißncrschcn Buchhandlung in Wolfenbüttel am Endeunseres Zeitraums 69 Bibliotheks-, eigene und fremde Verlags-, Sorti-ments- und Manuskriptkatalogc befanden, während ihr Katalog vom Jahre1767 außer diesen noch 99 weitere Kataloge aufführt. Rüdigers BerlinerUniversalkatalog vom Jahre 1725 sagt: nichtverzcichnctc Bücher werdeman auf Verlangen verschreiben und dabei mit möglichster Geschwindigkeitbedienen, weil man es an einer guten Corrcspondentz in Deutschland sowohl als an auswärtigen Orten niemals mangeln lasse; die Buch-handlung war ein Versandgeschäft — gegen Bar- und Frankozahlung,mit Rabatt bei größerm Bezug — in rascher Bedienung vom Lageroder nach Verschrei bung.
Die „Einrichtung des Teutschen Buchhandels", deren Vorzüge Püttcrim Jahre 1774 schilderte: mit der vollen Ausbildung dieser Einrichtungtrat der deutsche Buchhandel bereits in das mit dem Jahre 1740 begin-nende große Zeitalter ein, und nur die Lebhaftigkeit des Gebrauchs dieserEinrichtung hat sich zunächst gesteigert, bis dann mit Ausgang des18. Jahrhunderts ucue Formen zur Ausbildung kamen. Püttcr^schildert zunächst die Einrichtung des außcrdcutschcu Buchhandels. InHolland, in England, in Frankreich und Italien war cö die Regel, daßdie Buchhandlungen nur mit eigenem Verlage handelten. Es gab dortkeine Büchcrmesscn. Der Verleger gab seine Artikel entweder nur gegenBarzahlung oder allenfalls in Gegenrechnung mit Rabatt und Barsaldo.Der Büchcrkäufer mußte erst den Verleger ausfindig machen und sichdann entweder mit barer Zahlung an ihn selber wenden oder einenandern Buchhändler — wenn dieser die gewünschte Schrift nicht zufälligerworben hatte — darum ersuchcu, es für ihn zu verschreiben: ohnees vorher einsehen und ohne es unter Umständen zurückgeben zukönnen. Den Verleger zu erkunden war aber oft schwer genug.Häufig hatte der Käufer sogar in Paris selbst Mühe, den dortigen Ver-leger festzustellen, sodaß oft in Paris erschienene Schriften in Parisvon Straßburg her verschrieben wurden. Dabei erhöhte das Einzel-porto den Kaufpreis, uud die Unbequemlichkeit bewirkte, daß so manches