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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Bibliopolische Zweiteilung Deutschlands .

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Zwcihcit in organisatorischer Hinsicht zu überwinden; die führende Be-deutung Norddcutschlands war und wurde mehr und mehr eine so ent-scheidende, daß Leipzig das Reich mehr und mehr heran- und in seineKreise hereinziehen mußte. In der Geschichte der beiden Meßkatalogcspiegelt sich das Heraufsteigen der norddeutschen zur alleinigen deutschenBüchermesse einerseits, das Herabsteigen der alten europäischen Bücher-messe zu einem Frankfurter Büchermarkte andrerseits wider; der Frank-furter Ostermeßkatalog vom Jahre 1750 enthielt neben seinen 37 Frank-furter und 5 Leipziger (Wcidmannschen) Verlagsartikcln nur noch 28 Artikelaus Wetzlar, Köln und Rcgcnsburg und je einen aus Graz und Lüttich .Trotzdem bleibt durch unsern ganzen Zeitraum Leipzig vorwiegend derSammelpunkt der norddeutschen, wie Frankfurt derjenige der süddeutschenBuchhändler. Daß sich bei der Protcstation von Ostern 1736 unter den54 in Frankfurt unterzeichnenden Auswärtigen nur 8 Norddeutsche undunter den 42 in Leipzig unterzeichnenden Auswärtigen außer je einemBuchhändler aus Nürnberg und Lemgo kein Süd- und Westdeutscherbefand, konnte man das letztere betreffend darin erklärt zu finden meinen,daß die Frankfurter Meßbesuchcr ihre Unterschrift in Frankfurt bereitsgegeben hatten. Indessen zeigen auch sonstige Insinuationen ciu sehrähnliches Verhältnis. Eine Leipziger Insinuation von der Michaelis-mcsse 1675^ trägt die Unterschrift von 13 Leipziger , 34 auswärtigennorddeutschen, 3 Frankfurter und 6 Nürnberger Buchhändlern, währenduns vier Unterzeichner nach ihrer Herkunft unbekannt oder zweifelhaftsind; eine ebensolche von der Michaclismesse 1684 ^ ist unterzeichnet von20 Leipziger, 20 auswärtigen norddeutschen, 7 Nürnberger und dreinach ihrer Herkunft uns nicht bekannten Buchhändlern. Die bibliopolischcZweiteilung Deutschlands war, von geistig-littcrarischen Unterschiedenganz abgesehen, zunächst auf jeden Fall eine commerciellc, hcmdclstcch-nischc. Leipzig war in erster Linie Handels-, Stapel- und Kommissions-platz für Norddcutschland, Frankfurt war und blieb Kommissionsplatzvon der größten Bedeutung für Süddcutschlcmd. Die Durchbildung desKommissionswesens, die Zuuahmc der Neuigkcitsscndung, die steigende Aus-bildung verhältnismäßig raschcu Bezuges zwischen den Messen arbeitetenin steigendem Maße an der Vereinheitlichung des deutschen Büchcr-verkchrs; die politischen, staatswirtschaftlichen und konfessionellen Ver-hältnisse wirkten ihr entgegen.

Gcichichte de? Deutsche » Buchhandel-. U. 22