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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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.".-'.X 7. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland : Absa^ Preis, Nachdruck, Ceusur.

Werfen wir einen kurzen Blick wenigstens auf die bemerkens-wertesten nord- und süddeutschen Buchhaudclsstädtc und Buchhandlungenunseres Zeitraums. Wenn dabei als Wegweiser hauptsächlich der^oclex nuncliimi'ius dient ^ (weshalb auch die Jahreszahlen meist denZeitraum bezeichnen, innerhalb dessen der (üoci. nnnck. Verlagsartikel derbetreffenden Firma enthalt), so wird man die allgemeine buchhändlerischeBedeutung der Firmen damit im ganzen insofern nicht unrichtig treffen,als eine Buchhandlung von nur einiger Bedeutung in uuscrm Zeiträumeohne Verlag nicht möglich war.

Die geschichtlich denkwürdigsten Leipziger Buchhändler unseres Zeit-raums haben wir im Laufe unserer Erzählung großenteils schon kennengelernt; es waren die Gleditsch, namentlich Johann Friedrich Glcditsch,Moritz Georg Weidmann , Thomas Fritsch und Bernhard ChristophBrcitkopf. Brcitkopf war am 2. März 1695 in Clausthal im Harz als Sohn eines Bergmanns geboren, war seit 1719 in Leipzig , wo erdnrch Heirat in den Besitz der 1664 gegründeten C. F. MüllcrschenDruckerei gelangte, als Buchdrucker thätig und galt schon in den 1730erIahren ^ als einer der ersten Typographcn Deutschlands . An demTage, an dem der junge Johann Gottlob Immanuel im Jahre 1736postulierte, saug ein Leipziger Gelehrter dem Pater entgegen:

Du hast es ja gethau, daß Holland nicht mehr spricht:In Deutschland kenne man die saubre Drnckart nicht.Seht! wie hier Breitkvpfs Druck den Franzen und den BrittenDurch Pracht und Reinigkeit den Vorzug abgestritten. ^

Solche Äußerungen aber erhielten von dem Manne, der damals an derSpitze der deutschen Litteratur und Kritik stand, von Gottsched selbst,den Stempel gleichsam ihrer amtlichen Beglaubigung. Brcitkopf drucktedie erste Schrift, die Gottsched ihm anvcrtrantc, so vortrefflich, daß,wie Gottsched sagte,dieß Büchlein, so zu reden, den Ansang der Epochevon schön gedruckten deutschen Büchern in diesem Jahrhundert abgab.Dies geschah 1726."" Leipzig hatte im Jahre 1648 14000 Einwohnergehabt und zählte iu der erstcu Hälfte des 18. Jahrhunderts das Dop-pelte l>719: 28448, 1739: 28508 Einwohner).? Im Jahre 1715befanden sich in Leipzig 18 Buchhändler, 16 Buchdrucker, 28 Buch-binder, 3 Äupfcrdrucker, 4 Kupferstecher und 2 Schriftgießer", im Jahre1736 20 Buchhändler, 15 Buchdrucker, 22 Buchbinder, 11 Kupfer-