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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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350 7- Kapitel: Das bibliopolischc Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck. Censur.

Handlung des Waisenhauses fort; und gerade nach Cansteins Tode,in den Jahren 1720/35, sollte sie erst recht ausgebaut und eingeführtund für eine lange Lebensdauer gekräftigt werden; es erschienen indiesen Jahren vom Neuen Testament und der Duodczbibcl je 39, vonder Großoktavbibcl 23 Auflagen. Neben den deutschen Ausgaben er-schienen böhmische, polnische, slavonischc Bibeln und Testamente (1722,1730). 1733 wurde das Waisenhaus aufannoch eine Druckercy"(für die Bibclanstalt) privilegiert. Eine einzelne Buchhandlung privilegiertaus zwei Druckereien: das war eine besondere königliche Gunstbezeugung.Die Bibeldruckerci begann mit fünf Pressen zu arbeiten; seit 1735beschäftigte sie deren sieben. 1736 erschien die erste Folio- (Auflage2000; Preis 1 Rthlr. 0 gr.), 1741 die erste Quartbibel (beide mitabgelegter Schrift». Von 1712 bis Ende 1739 hat die Bibelanstaltvom Neuen Testament , der Großoktav-, der Dnodczbibel und dem NeuenTestamente mit Psalter gedruckt: 68, 36, 60 und 16 Auflagen oder340000, 180000, 300000 und 26000 Exemplare. In die Jahre1717.35 füllt die Vcrlagsthätigkeit derNeuen Buchhandlung", indie Jahre 1727/35 diejenige von Joh. Ernst Fritzsch. Weit wichtigerwar die Begründung dreier anderer Verlagsfirmen im letzten Jahrzehntunseres Zeitraums, den 1730er Jahren. Die alte Salfcldschc Druckereierkaufte 1707 Stephan Orban, 1733 von dessen Wittwe aber Joh.Justinns Gebauer (geb. 1710 in Waltershauscn bei Gotha ), der nochim Jahre 1737 den Plan zu der Walchschcn Gesamtausgabc von Luthers Werken faßte. Gleichzeitig mit ihm eröffneten ihre VerlagsthätigkcitJoh. Christian Hendel (geb. 1692), der, ebenfalls ursprünglich Drucker,von Joh. Jac. Krebs (1- 1716) die alte Stcgmannschc Druckerei über-nommen und dann zunächst erst einen Disputationshandel begonnenhatte, und Joh. Andr. Bauer. Zu den Gebauer und Hendel geselltesich 1737 Hermann Hemmcrdc; er übernahm die Buchhandlung, die1729 der Antiquar Joh. Gco. Klemm gegründet hatte. Die Geschichts-schreibung Halles hebt eine Buchhandlung besonders hervor, die, alsVerlag nicht hervortretend, in Halle noch lange unvergessen gewesen sei:die Gruncrtsche, gegründet 1699 von Joh. Gruncrt, der seit 1723 Rats-bnchdruckcr war, und dem 1731 sein Sohn Joh. Friedrich folgtet"

In Jena, nach Gcßners Angaben (die sich aber nicht überall alszuverlässig erweisen) der drittgrößten Drnckcrstadt Deutschlands , waren