Büchcrabslch und Volksbildung.
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Ziinmerleuten keine andern Handwerker genommen werden sollten, und imJahre 1736: „Ist der Schulmeister ein Handwerker, kann er sich schonnähren; ist er keiner, wird ihm erlaubt, sechs Wochen aufTagclohuzu gehen."Ähnlich wie auf dem Lande war es mit dein Unterricht der unterstenStufe in den Stödten bestellt, der in den sogenannten deutschen Schulenerteilt wurde; Einrichtung und Lehrplau warcu ähnlich; indessen standendie Schullchrcr hier wahrscheinlich durchgehende auf einer etwas hohcrnStufe. Eine weitergehende Ausbildung dnrch öffentlichen Unterrichtwar für die Mädchen überhaupt unmöglich, für die Knaben nur möglich,indem sie in die lateinische Schule übergingen. Von der Errichtungbesonderer Schulen für die Ausbildung zu bürgerlichen Bcrussartcn, dievon A. H. Franckcs Hallcschcn Anstalten ausging, fallen nur die erstenAnfänge noch in unsern Zeitraum, ebenso wie von der Begründung be-sonderer Anstalten für die Jugend der vornehmen Stände. Der Unter-schied zwischen Gebildeten und Volk, zwischen Stadt und Land war aufjeden Fall außerordentlich viel größer als heute. Dennoch lehrt dieBuchhaudelSgcschichte, daß der Kalender, Katechismus, Gesang- und An-dachtSbuch, die „ueuc Zeitung", das Volksbuch iu nnscrm Zeitraumeine ganz enorme Verbreitung gehabt haben. Daß die Kalender Jahrfür Jahr in hohen Auflagen in Stadt und Land verschwanden wieWasser im trocknen Sande, dafür haben wir bei anderer GelegenheitBeispiele erwähnt. Der Nosiussche Kalender in Basel brachte in denersten Jahren des 18. Jahrhunderts nach Abzug aller Unkosten über20l) Reichöthalcr jährlichen Reingewinn, d. h., wenn wir für den höhernGeldwert nur den Multiplikator 4 ansetzen, gegen 2400 Mark heutigenGeldes"^; von der Herstellung von Volksbüchern ernährten sich, wiewir bei anderer Gelegenheit hörten, ganze Druckcrvcrlagc. Überhauptaber dars die Buchhaudclsgeschichtc uicht einfach sagen, daß der Mangelder allgemeinen Volksbildung dem Buchhandel den Ellbogcnraum be-schränkt habe. Viel zu eng und zu fest sind dazu Bildung und Bil-dungsvcranstaltuug — und zu letzterer gehört der Buchhandel: sindBildung uud Buchhandel miteinander verschmolzen. Es ist nicht so,daß der ^aug im großen der wäre, daß der Buchhandel mehr und mehrdie lesbarsten und immer allgemeiner lesbaren Bücher vertriebe uudnun sähe, daß das Faß leider voll wäre, uud wartete, bis die Volks-bildung hinterdrein käme. Nein, die Bücher, Heranswachsend ans dem