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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Verhältnis zu den westlichen Nachbarstaaten.

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Oeuvres pvstliumes waren erst Ende Oktober ausgedruckt, mehr alsacht Monate nach der Ankündigung für Deutschland. Der deutsche Buchhandel begegnete der französisch-holländischen Konkurrenz dadurch,daß er einen zwischen die französischen und holländischen Buchhändlereinerseits, das deutsche Publikum andrerseits sich einschiebenden Zwischen-handel im großen Maßstab ausgestaltete und Übersetzungen und Nach-drucke veranstaltete. Zn den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhundertsmüssen die direkten Beziehungen zwischen Antwerpen, Paris , Lyon unddem deutschen PulMum noch von großer Bedeutung gewesen sein; inden 1660er Jahren beispielsweise setzte sich der Freiherr v. Waldcrdorfin Wien in direkte Verbindung mit Buchhändlern in Lyon und Paris ,in den 1670er Jahren bestand eine direkte Verbindung zwischen Ant-werpen und den Augustinern in Mainz; des deutschen Buchhändlers (inFrankfurt a. M.) bediente man sich dabei nur zur Beförderung, währendder briefliche Verkehr zwischen den ausländischen Buchhändlern und ihrendeutschen Kunden direkt durch die Post vermittelt wurde."" Seit Aus-gang des 17. Jahrhunderts lag dann der französische Buchhandel inDeutschland vielfach in den Händen französischer Einwanderer, besondersin den führenden Städten Brandenburg-Preußens, und es waren, sobesonders in Berlin , außerordentlich tüchtige Geschäftsleute; so wie sichferner die Holländer in Zweiggeschäften in Mittel- und Norddcutschlandvielfach festsetzten Und als wieviel vorteilhafter lernte der deutsche Ge-lehrte den Erwerb wertvoller alter Bibliothclivcrke im Auslande, besondersin Holland schätzen, wenn er selber eine Reise ins Ausland unternahm.Otto Mcncke, der Herausgeber der Leipziger ^.ew Lrnäitoi'nin, begründeteseine Bibliothek durch Benutzung eines billigen Ausverkaufs eines Bllcher-lagers in Bremen und erweiterte sie dann in Leipzig , aber den leich-testen Weg zu ihrer Bereicherung fand er erst auf seiner Reise nachBelgien und England (um das Jahr 1680)."' Auch Joh. Petervon Ludcwig iu Halle z. B. legte den Gruud zu seiner Bibliothek inholländischen Auktionen (1697). Überhaupt verfehlte der, der sich inHolland aufhielt, uicht, die schönen niederländischen, französischen, auchKölnischen Ausgaben dort zu erwerben und uach der Heimat zu senden.Als z. B. der bayrische Minister und Direktor der Geheimen Kriegs-kanzlci Prielmeycr sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit dem Kur-fürsten auf dem niederländischen Kriegsschauplätze befand, sandte er