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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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398 Kapitel: Das biblivpolischc Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur.

Sortimentskataloge geschäftlich die fruchtbarste Rolle gespielt. Die Lie-ferung geschah teils auf ausdrückliche Bestellung und betraf sowohl Verlagals Sortiment, teils als Ncuigkeitsscndung. Bon Reinittcnden ist dabeinur in einzelnen, besonder» Fällen die Rede. Lochner in Stockholm wollte in den 1740er Jahren eine Weidmannsche Lieferung remittieren;ist der Verleger so theuer damit", schreibt er,Kan er solche selbstbehalten"; so teuer bezahle ihm niemand die Bücher. Über die Höhedes Rabatts hören wir leider in der ersten Zeit nichts; in einemfrühesten vereinzelten Falle aus dem Jahre 1748 bietet eine VeronescrHandlung einer Leipziger 15 an; die Fälle aus späterer Zeit bewegensich dann in einem Spielraum von 20 bis 33^/z"/. Auffallend istbei dem Berkehr mit dem Auslände das häufige Vorkommen des Changc-gcschäfts (z. B. I. G. Hertz in Venedig und Gleditsch K Weidmannin Leipzig 1717; G. B. Martini in Amsterdam und Halleschcs Waisen-haus 1743; Cnrattoni in Verona und Weidmann 1748; später öfters).AnS ihm ist es aber auch erklärlich, daß die deutschen Buchhändler sobedeutende Lieferungen französischer Littcratur nach dem Auslände machten.Neben diesem gegenseitigen Berkehr, in dem seine Organisation demdeutschen Buchhandel bereits eine gewisse Überlegenheit sicherte, suchtesich der deutsche Buchhandel aber auch durch Übersetzung, Nachdruck undKonkurrcnzuutcruchmung vom Auslände unabhängiger zu machen. Dasletztere konnte naturgemäß nur iu gcringcrm Grade und auf besonder»Gebieten in Betracht kommen; wir haben dafür in der Geschichte desLandkarten- und des hebräischen Verlags die bedeutendsten Beispielekennen gelernt. Die Dinge lagen auf dem Gebiete der französischenLittcratur in weitem Umfange so, daß die französischen und deutschenBuchhändler untereinander wetteiferten, um sich dem holländischen Nach-druck gegenüber den deutschen Markt zu sichern. Von der Pariser Aus-gabe der Werke Molieres'^ Erstes bedeutendes Stück, der ^wurcli,1653; f 1673) vom Jahre 1682 wurde die Verlegcrcmzeige für Deutsch-land schon zur Ostcrmessc (die Ende März fiel) in den Leipziger Meß-katalog eingesandt, d. h. sofort nach Beginn des Drucks, ehe noch einerder Bände fertiggestellt war: das war erst am 30. Juni der Fall, nach-dem also schon monatelang Bestellungen in Deutschland auf Grund desLeipziger Ostcrmcßkatalogs angenommen worden waren, uud che sich dieVerleger noch klar über den Umfang ihrer neuen Ausgabe waren; die