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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Buchhändlcrische und litterarische Nachteile des Tauschslistems. 403

ein natürliches Erzeugnis der Bedürfnisse und Verhältnisse war dieherrschende Organisation cutstanden; es gab eine Zeit, deren Forderungensie entsprach. Die seit den letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhundertsheraufziehenden Fortschritte und Wandlungen, die einer neuen Zeit zu-trieben, und wie wir sie besonders in der Geschichte des Büchermarktskennen gelernt haben, begannen das für die neuen Verhältnisse Un-geeignete der alten Organisation fühlbar zu machen und zwangen damitder Buchhandelsgeschichte eigentlich zum ersten male das Problem desVerhältnisses zwischen Wirtschaft und Geist, Organisation und Be-dürfnis auf.

Der zeitgenössische Buchhandel selbst faßte alle diese Erscheinungen zu-sammen unter dem echt neuzeitlichen Zeichen einer peinlichst gesteigertenund mit den verwogcnstcn Mitteln arbeitenden Konkurrenz; und wirwerden sehen, daß unter diesen Verhältnissen nicht nur der Buchhandelselbst zu leiden hatte, sondern daß sie zugleich ein Übel sür die All-gemeinheit bedeuteten.

Von dem Zwange kollegialischer Tauschübung gedrückt und mit einemstetig anschwellenden Lager schwer verkäuflicher Bücherware belastet,suchte der Buchhändler als Verleger auf alle mögliche, und zwar billigsteWeise Verlag hereinzubekommen. Das drückte auf das allgemeine Niveauder Litteratur; zusammen mit der Gefahr des Nachdrucks drückte es aufdie Ausstattung, wirkte es (indem man die Auflagen niedrig und denBuchhändlcrpreis, um möglichst viel Chcmge zu gewinnen, hochhielt)steigernd auf den Preis und beschenkte das Publikum mit einem oft aufsunlauterste gchaudhabtcn SubskriptionS- und Pränumerationswcscn. DerBuchhändler als Sortimcnter und Antiquar suchte sich auf alle möglicheWeise des LagcrballastcS zu entledigen: daher überall das Verramschen undSchleudern, daher das starke Auktionswcsen und das noch verzweifeltereMittel des Lottcricwcscns. So heizte und feuerte man auf der einenSeite und bremste auf der andern; man baggerte als Sortimenter denvcrsaudctcu Fluß aus und warf als Verleger ganze Ladungen neuenSandes in die trägen Fluten.

Des Bücherschreibens ist so viel, man schreibet sie in Haufe»,Niemand wird Bücher schreiben mehr, so niemand sie wird kaufen"hatte Friedrich von Logau im Zeitalter des Dreißigjährigen Kriegs ge-sungen. Becher sprach 1W8 von demmächtigen Polypolium" und

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