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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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404 5- Kapitel: Das bibliopolischc Deutschland ; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur.

wünschte dcm Buchhandel ein Jahrzehnt, in dem nichts gedruckt würde,oder ein Feuer vom Himmel, das einen entsprechenden Berg bedrucktenPapiers verzehre, auf daß es neu verlegt werden könne; derselbe Becher,der von den kleinen Buchhändlern so bezeichnend sagte:Verlegen ge-meiniglich etwas, damit sie nicht baar Geld geben dörffen, sondern stechenmögen." Auch Fritsch"° redete 1675 von der ,,mlmit>g, kers eoxmlidroruui". Wir finden ähnliche Äußerungen auch vor dem Dreißig-jährigen Kriege, auch im 16. Jahrhundert, schon in der Rcformations-zeit; und mit ihnen Klagen über verschiedene Seiten derjenigen Er-scheinung, die mit dem Wachstum der Zahl der Waren und der Händlernotwendig verbunden ist, der Konkurrenz. Ungefähr von dcm Zeitpunktean aber, der uns in so vieler Hinsicht als ein Mcrkpuutt dcö Beginnsneu erhöhter Thütigkcit erschien, seit etwa dein Jahre 1680, beginnendiese Klagen zahlreicher und lebhafter zu werden und führen nun ineiner im 18. Jahrhundert immer dichter werdenden Reihe und in immerstärker werdender Dringlichkeit von der Höhe unseres Zeitraums un-mittelbar hinüber in ein neues, in der zweiten Hülste des 18. Jahr-hunderts heraufsteigendes Zeitalter der Kritik, der Reflexion, des Neform-tricbs. Ob die Zustände in dem Maße unerfreulich waren, wie sieuns von den Zeitgenossen geschildert werden? Gewiß nicht. Manwird den Charakter solcher Äußerungen nicht unmittelbar auf die Dingeübertragen wollen. Das Bewußtsein, und namentlich das in dcm für dieÖffentlichkeit bestimmten littcrarischcn Produkt sich objektivierende Be-wußtsein ist eiu Resonanzboden, der den Ton der Dinge verstärkt. Aberwenn die buchhändlcrifchcn Übelstündc auch weder so Plötzlich emporschössenwie diese Littcratur, noch ihre Herrschaft eine ganz so drückende war als esdarin erscheint, vorhanden waren sie, und daö Bewußtsein ihrer Existenz,Schädlichkeit und Unwürdigtcit nahm einen Grad der Stärke an wieniemals zuvor. Wir vernehmen Klagen über allgemeine Erscheinungenbuchhändlcrischer Konkurrenz, wie sie jederzeit die Neigung gehabt haben,hervorzutreten: über Buchhändler, die die Büchernach Elle und Ge-wicht" verkauften, sie den Particulicrs um" billiger gaben als denBuchhändlern^, über Pfuscher, dieniederträchtiger Weise auf dieStuben herumlaufen, die Käufer durch öffentliche Anschläge zn sich in-viticrcn nnd schlcudcru", entsetzliche Preise machen und die Kollegenbcvortcilcu, über Äutcso cxcessiv schleudern" und courante Bücher,