Mangelnde Spezialisicrnng.
419
die man ehemals eingedämmt hatte, wieder so mächtig wurden; es waraber auch schlimm, daß in einer Stadt, in der zu Ausgang des 17.und Anfang des 18. Jahrhunderts fünf Buchhandlungen kaum genügthatten, in einer Zeit steigender Betriebsamkeit der Buchhandel rein ge-schäftlich die Zeit, sich, das Publikum, seinen Beruf so wenig „zunehmen" wußte, daß die Zahl der Buchbindcrbuchhändlcr auf das Dop-pelte stieg, während die Buchhandlungen, die zu Ausgang des 17. Jahr-hunderts geblüht hatten, allmählich abstarben. Paul Friedr. NhodcSPrivileg erlosch 1709; Mich. Lange verschaffte sich ein Privileg, „Bücher-^uetiones und vorfallende I^ottsr^sn abzuhalten", und 1722 berichtetder Senat an den König, daß er „keinen Buchladcn weiter halte, nochdenselben einzurichten im Stande sei, vielmehr eine andere Professionsxereirc"; das ehemals blühende Buchhändlcrgcschlccht der Hallcrvordverlor seine Bedeutung seit dem zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhundertsund endete in seinem letzten Sprossen Gottfried mit einem ohne festenWohnsitz betriebenen Antiquariatswanderbetricb; Georg Joe. HccrdansVerlag war, wenn er überhaupt solchen besaß, so unbedeutend, daß erin den Mcßlatalogen nicht vorkommt; Hcinr. Boyes d. I. Geschäftbefindet sich zu Beginn der 1720er Jahre in Konkurs, und seit etwa1740 findet sich, obwohl Boye erst 1760 starb, keine Spur weder vonseinem Geschäft, noch von dem Verbleib seines Privilegs. Niemandfand sich, der die einst so angesehenen Geschäfte weitergeführt hätte.Ihre Privilegien blieben unbenutzt und verfielen. Und als wenn derBuchbinder gleichsam auf den Ruinen des Buchhandels die Siegesfahneaufpflanzte, so stellt der Buchbinder Chrph. Schulz in seinem Privilcg-gcsuch vom Jahre 1745 fest, daß zur Zeit im ganzeu Laude nur eiueinziger offener Buchladcn befindlich sei. Dieser einzige Laden war dervon Christoph Gottfried Eckart aus Grimma in Kursachsen, der seinPrivileg im Jahre 1722 erhielt; es ist das Geschüft, das später vonden Härtung fortgeführt wurde. Eckart erkannte mit richtigem Geschäfts-blick, daß bei der geschilderten Konkurrenz das wissenschaftliche Gebietsein eigentliches Arbeitsfeld sein müsse. Den Bedürfnissen einer Uni-versität und den Ansprüchen der Gelehrten zu genügen, war kein Buch-binder und Krämer, sondern nur der gelernte und gebildete Buchhändlerim Stande. Er hielt ein sorgfältig gewähltes Lager — „nicht sowohl",
so spricht er selbst seinen Geschäftsgrnndsatz aus, „eine gehäufte Samm-
27*