420 <- Kapitel: Das bibliopolischc Deutschland ; Absah, Preis, Nachdruck, Ccusur,
lung geringschätziger Chartcquen, als vielmehr eine Vorrathskammcr dernützlichsten und brauchbarsten Bücher" — und zog so allmählich denganzen Verkehr mit der Gelchrtcnwclt an sich, und aus diesem Verkehreheraus erwuchs ihm wiederum ein stattlicher Perlag. Nur mit Auf-bietung aller Gräfte und durch die umfassendste, ihn früh aufreibendeGeschäftstätigkeit gelang es ihm vorwärts zu kommen. Gerade die ge-fährlichsten Buchbiudcrkonkurrenten saßen alle mit ihm zusammen imKneiphof, dem Sitze der Albcrtina; der bedeutendste Konkurrent empfiehltseine Bude als gerade gegenüber von Eckarts Buchladcn.
Im engsten Zusammenhang mit der steigenden Lebendigkeit desBetriebs, den Schattenseiten der Organisation und der allgemeinenKonkurrenz steht eine Reihe anderer Beschwcrdcpunktc, die für das ge-steigerte Drängen, die Bücher abzusetzen, mehr oder weniger bezeichnendsind. Das Unwesen der Titelcrncuerung blühte.^" Changcbetrügercicnaller Art wurden verübt: so war es beliebt, etliche Signaturen zu„überhüpffen" und dabei Pagina und Materie richtig fortgehen zu lassen,damit man Kollegen gegenüber, die auf Messen die Bücher genau zukollationieren nicht wohl Zeit hatten, desto mehr Alphabete oder Bogengeliefert zu haben scheinen mochte."" Am bezeichnendsten und unmittel-bar zusammenhängend mit der Unruhe über den steigenden Zudrcmgzum Buchhandel sind die Klagen über die leichtsinnige Behandlung desLehrlingswcsens: über die Aufnahme zu zahlreicher und zu mangelhaft vor-gebildeter Lehrlinge — wir wissen ja, daß im allgemeinen die lateinischenElementarkenntnisse als Voraussetzung galten —, über ihre zu früheLossprcchung nach mangelhafter Ausbildung: wenn sie mir Makulaturausstreichen und zur Not kollationieren konnten, wie es in einer Schriftheißt."'
Alle diese Übelständc und Klagen bilden eine zusammengehörige Masse.Sie bilden einmal einen allgemeinen Gradmesser der Entwicklung, näm-lich der mit jeder Steigerung gewerblicher Betriebsamkeit verbundenen Ver-tiefung der Schatten und Erhöhung der Reflexion, die diese Schattenwahrnimmt. Und sie zeigen sodann von verschiedenen Seiten her dasUngenügende der herrschenden Organisation, die der in der EntWickelungbegriffenen quantitativen und qualitativen Änderung in der Nation über-haupt, in der Litteratur und dem von beiden abhängigen Buchhandel im