510 7. Kapitel: Tas dibliopolischc Tenljchland; Absatz, Preis, Nachdruck, Censur.
seines Verlages die Messe bezog, griff mit beiden Händen nach derfremden Anweisung, die jedenfalls nicht schlechter sein konnte als dieeigene; der Buchhändler, der der Lebenskraft seines Verlages sicher war,betrachtete sie mit Zurückhaltung und Mißtrauen. Wir sind bei denGeschäftsunkosten angelangt, die vom Rohgcwinn ans den Reingewinnführen. Wie der Posten der Lagercntwcrtung, so waren damals dieFracht-, Brief-, Anzcigekostcn höher. Der Centncr Frachtgut von Leipzig nach Dresden kostet jetzt 80 Pf., damals kostete er ^ Nthlr.^, ,^chunserer Voraussetzung 7,W Mk. heutigen Geldwertes. Die Gehälterscheinen sich von denen der Gegenwart nicht allzu sehr unterschieden zuhaben, denn wir hören wiederholt von Dicncrgehältcrn von 40 Rthlrn.^Berechnen wir das Kostgeld nach dem Verhältnis des Kostgelds zumGehalt, wie wir es aus dem Ende des 18. Jahrhunderts kennen (z. B.SO fl. Gehalt und 180 fl. Kostgeld^), ergM sich nach heutigemGeldwerte ein Gcsamtgehalt von rund 1500 Mk. Auf der andern Seitefehlten beim Verleger der Mittlern Zeit gewisse Herstellungskosten, diefür die neuzeitlichen in Betracht kommen, wenngleich sie nicht stark insGewicht fallen; die Broschur erhöht, das Tausend zu 1,5» Mk. gerechnet,bei einer Auflage vou 1000 Exemplaren die Herstellungskosten nur um0,<i"/„ deö Verkaufspreises.
Die Buchhandelsgeschichte der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundertswird zeigen, daß zn der Zeit, in der der offene Krieg zwischen Sortimentund Verlag ausbrach, die empörten süddeutschen Sortimcntcr ihre Hand-lungsunkosten den sächsischen Verlegern in einer Höhe von 33"/„ vor-rechneten, und zwar nicht in der Hitze des Wortgefechts, sondern inausführlichen und gründlichen Abhandluugen. War das auch übertrieben:gegenwärtig würde selbst eine noch stärkere Erregung die Farben so dickuicht auftragen und von etwa 15"/,, (im Verlag) oder 20"/,, (im Sor-timent) bis zu einer solchen Höhe hinnufgreifcn können.
In den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts schätzte man fürden Geschäftsbetrieb des Sortimentsverlags alten Stils 60"/„ als Tausch-gut, 40"/,, als Zahlungsartilcl. Damals war die Herrschaft des Tausch-systems namentlich in Norddcntschland schon sehr stark erschüttert. Auchin unserer Periode gab es, wie wir wissen, jederzeit einen neben demTauschhandel einhergchenden Gcldvcrkchr. Nehmen wir für unser Beispielan, der Umfang des letztcrn habe sich zu demjcuigen des erstern wie