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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Preis, Herstellungskosten, Rohgewinn.

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Verlegers und Sortimentcrs sind vielmehr in der Hand des Vcrleger-sortimcnterö summiert. Auf dem Exemplar des Buchhändlers ruhen4 Groschen Herstellungskosten, uud es soll fiir 10 Groschen verkauftwerden. liefert es dem Buchhändler L für 7 Groschen, sodaß er3 Groschen daran verdient. Er erhält aber dagegen ein Exemplar desBuchhändlers L, auf dem dieselben Herstellungskosten ruhen, und das ^zu demselben Preis verkauft werden soll. Indem ^ es fiir 10 Groschenverkauft, während er -1 Groschen (in Gestalt seines Exemplars) dafürausgegeben hat, verdient er daran 6 Groschen, und das gleiche gilt fürden Händler L. Es ist für jeden der beiden ebenso gut, als hätte ersein eigenes Exemplar für 10 Groschen ans Publikum direkt verkauft:der Verleger ist sein eigener Sortimcnter, sowie der Sortimentcr seineigener Verleger ist. Deshalb konnte der kaiserliche Taxvcrsuch vom^ahre 1656 ganz allgemein von der Zubilligung eines Buchhändler-gewinns von 60"/,, sprcchcu.^° Wir haben bei 29"/,, Buchhüudlcrrabattnach den nnserm Durchschnittsbcispicle zu Gruude gelegten Voraussetzungenbei einer Auflage von 1000, 1500 und 2000 Exemplaren nicht wieheute einen Sortimcntsanteil von 29"/,, und einen Verlcgcranteilvon 27,4, 40,i uud 45,>i"/, sondern einen Buchhündlerantcil von60,4, 66,s und 69,2 "/. Das vergegeuwärtigt deutlich die wirtschaft-liche Eigentümlichkeit des Tauschzeitalters und macht die furchtbaren>iouvulsioucu begreiflich, mit denen dann in der zweiten Hälfte des18. Jahrhunderts der Bruch mit dem Tauschsystem, ehe das Konditious-system allgemein geworden war, verbunden sein mußte. Er bedeutete fürden Buchhäudlcr, der sich durch Ungunst der VerlagSvcdiugungcu zumSortimcnter hcrabgedrückt sah, nichts anderes, als die Herabsetzung desNohgcwinnS vou 50, 56, 69"/,, auf 33^ bis 25, ja bis auf16"/,, oder die Entziehung von 16^ bis 35,^7, von 25 bis 44,.>,von 34 bis 53,2 "/.

Und der Verleger? Büßte nicht anch er dabei ein? Das er-innert nns an die Nachteile, mit denen diese Organisation des Sorti-mcntervcrlags andrerseits verbunden war. Sic hatte das Üble, daß derGewinn, den dcr Buchhändler als Bcrlcgcr bei seinem Geschäft vomBuchhäudlcr als Sortimentcr bezog, in der That nur ciuc i^cwiuu-Anwcisuug, nicht Geld, sondern ein Wechsel war, dessen Einlosbarkeitdahinstand. Der Buchhändler, der im Bewußtsein der Minderwertigkeit