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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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hoch halten solle oder nicht 1 . Nachdem in unserm Jahr-hundert dagegen die gewohnheitsmäfsige und rechtliche Fest-setzung der Löhne hinweggefallen war, hat man die Fragedahin gefafst, ob niedere oder hohe Löhne für ein Land alswirtschaftlicher Vorteil anzusehen seien, ob der wirtschaftlicheFortschritt und man denkt dabei heute hauptsächlich andie grofsindustrielle Entwicklung eine Emporhebung odereine Herabdrückung der ihr dienenden Klassen bedeute.

1) Die Geschichte der bezeichneten Streitfrage geht wiedie so vieler nationalökonomischer Lehren auf jenen grofsenBeobachter zurück, der, wenn überhaupt jemand, es am ehestenverdient, der Vater der Nationalökonomie genannt zu werden:Sir William Petty . In seiner politischen Arithmetik,London 1691, verteidigt Petty Steuern auf Lebensmittel, welcheden Reichtum eines Landes vermehrten. Aufser dem Gesichts-punkt, dafs bei hohen Preisen der Lebensmittel die Menschen ihrGeld in weniger vergänglichen Gütern anlegten, führt er zurBegründung jenes Satzes eine von den Webermeistern, dieLohnarbeiter beschäftigten, gemachte Erfahrung an. Wenn dasGetreide billig sei, pflege die Arbeit entsprechend teuer zusein. Denn so ausschweifend seien die Arbeiter in solchenZeiten, dafs sie nur an Essen und Trinken dächten. Dahersei eine reichliche Ernte ein Unglück für das Volk, wenn dieRegierung nicht für Hochhaltung des Getreidepreises sorge.Ganz besonders aber gilt nach Petty dieses Verhältnis fürIrland . Dort sei die Lebenshaltung der Massen, insbesonderenach Einführung jenerbrotähnlichen Wurzel", der Kartoffel,eine so niedre, dafs zwei Stunden täglicher Arbeit genügten,um alle gewohnheitsmäfsigen Bedürfnisse zu befriedigen. Umdas irische Volk aus seiner Faulheit aufzurütteln, sei ein

1 K. Faber, Die Entstehung des Agrarschutzes in England. Strafs-burg 1888. S. 112114.