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wart von dem des vorigen Jahrhunderts scheidet. Worin be-stand er? Aus einem System unabhängiger, von Autoritätund Herkommen beherrschter Einzelwirtschaften trat mit Aus-bildung der Konkurrenz eine durch Arbeitsteilung und Tauschzu einem Ganzen verkettete Weltwirtschaft. Diese Verände-rung bewirkte auf der einen Seite eine Veränderung der Be-triebsformen — an Stelle des Handwerks trat der moderneGrofsbetrieb, ferner einen gewissen psychologischen Umschwung— es entstehen neue Denkweisen und damit neue Menschen,neue Typen des Arbeitgebers und des Arbeiters.
In dem Mafse, als dieser Wandel sich vollzieht, entsprichtihm die veränderte Theorie. In rein gewohnheitsmäfsigenVerhältnissen gilt allenthalben die ältere Lehre; in dem Mafse,als die Verhältnisse den gewohnheitsmäfsigen Charakter ab-streifen und in die Weltwirtschaft einbezogen werden, beginntdie Theorie zu schwanken. Erst in dem Mafse, als der Um-schwung sich vollzogen hat, gelangt mit dem Siege des Grofs-betriebs über die älteren Betriebsformen die neuere Lehre zurAnerkennung, zuerst bei den Theoretikern, sodann bei denPraktikern der Länder, in denen der wirtschaftliche Um-schwung fertig dasteht. In Ländern mit Ubergangszuständenverharren viele Praktiker bei der älteren Lehre.
An der Hand der wichtigsten Gewerbszweige wäre dieseEntwicklung zu verfolgen. Es wäre zu zeigen, wie jene wirt-schaftliche Entwicklung einmal den technischen, sodann densocialen Fortschritt bedeute und wie die Hebung der Arbeiter-klasse mit ihr notwendig Hand in Hand gehe. Nichts wäregeeigneter, jenen socialen Pessimismus zu bekämpfen, welchervermeint, dafs die moderne Wirtschaftsentwicklung zum ge-sellschaftlichen Zusammenbruch oder in ein Dilemma führe,das nur mit Pulver und Blei zu lösen sei. Unter den grofsenIndustrien sind besonders zwei für diese Nachweisung ge-