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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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nicht entbehren kann 1 . Allenthalben siedelten sich in denMittelpunkten der Baum Wollindustrie neben den Spinnereiendie zugehörigen Maschinenwerkstätten an. Lancashire wurdedamit zugleich ein Hauptsitz des Maschinenbaues. Die ört-liche Konzentrierung machte ferner erst einen zur Arbeit er-zogenen, hochgelernten Arbeiterstand möglich.

Gewisse natürliche Vorteile aber machten den südlichenTeil der Grafschaft Lancashire zum frühesten Mittelpunkt derGrofsindustrie. Von hier ausgehend eroberte sie England , jadie Welt. Im Norden und Osten wird das in Betracht kommendeGebiet, kleiner als das sächsische Voigtland, von Hügeln be-grenzt, die nach Todmorden und Rochdale hin zu beträcht-lichen Erhebungen steigen und dort von tiefen Thälern durch-schnitten sind. Den trockenen Ost abhaltend, zwingen sie denWest zu Niederschlägen. Zum Ackerbau ist das Land weniggeeignet, daher die Bewohner schon früh zur Hausindustrie,insbesondere Wollweberei, griffen. Allenthalben eilen Bächeund Flüsse von jenen Hügeln dem nahen Meere zu. Sieboten die erste Triebkraft den aufkommenden Maschinen. Unterden Wiesen aber ruht, leicht vom Menschen zu erreichen, dasMineral, dessen Vorhandensein die Ersetzung der Wasserkraftdurch die Dampf kraft bedingt: die Kohle. Einer jener Wasser-läufe, der Mersey, erweitert sich an seiner Mündung durch denEinflufs der atlantischen Flut zu einem der besten Häfen derWelt. Sobald das Land etwas zum Austausch besafs, mufstehier ein Mittelpunkt des Welthandels entstehen: Liverpool .Noch etwas wichtigeres aber verdankt das Land dem nahenMeere: die feuchten Seewinde, welche sich an den Hügeln zuNiederschlägen verdichten. Ist doch der Feuchtigkeitsgrad der

1 Heute auch Vermeidung von besonderen Gasanstalten u. s. w.Vgl. Jannasch, die europäische Baumwollindustrie. Berlin 1882, S. 25.