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Nur wenige Firmen, meist solche, die aus alter Zeitstammen, haben fortgefahren, auf eigne Kosten und Gefahrzu exportieren 1 und diese Möglichkeit hält den Geschäfts-gewinn der Kaufleute in mäfsigen Grenzen. Wenn der Durch-schnittswert der englischen Garnausfuhr heute pro Pfund 4 d.über dem durchschnittlichen Börsenpreise in Manchester steht,so ist dies für die zu tragenden Gefahren, die Bündlung undVerpackung etc. kein zu hoher Entgelt 2 . Aber auch dieGrossisten in Manchester verkaufen keineswegs an den Detail-kaufmann, sondern abgesehen von heimischen Engrosgeschäften,an ausländische Einfuhrhäuser. Letztere haben in Indien, Chinaund Afrika sehr häufig englische Partner, die die Verbreitungder englischen Industrieprodukte nach Kräften befördern 3 .
Die englische Baumwollindustrie also verbindet heuteäufserste Zusammenfassung mit äufserster Arbeitsteilung, tech-nischer wie kommerzieller. Demgegenüber steht die deutscheIndustrie auf einer Entwicklungsstufe, welche an das England der dreifsiger Jahre erinnert. Zwar läfst sich auch für- sieeine gewisse geographische Arbeitsteilung nicht verkennen. Diedeutsche Spinnerei und Weberei einfacher Kattune hat ihren Sitzim Süden, besonders im Elsass, Baden und Schwaben. Siebedarf des Zollschutzes gegen England und versieht lediglichdas Inland. Ihr gegenüber stehen die exportierenden, nord-deutschen Veredelungsgewerbe und Musterwebereien, besondersam Rhein und in Sachsen. Aber im Norden wie im Südenist die Industrie über weite Gebiete verstreut und ermangeltkommerzieller Mittelpunkte.
Auch in der Gröfse der einzelnen Betriebe steht Deutsch-
1 Vergl. Royal Commission on Trade, Second Report Part I 5673.
2 Vergl. Andrew, Fifty years cotton trade S. 7.
3 Commereial Relations of the United States Nr. 12, Okt. 1881S. 102.