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Verminderung an Arbeitskräften. In erster Hinsicht beruhtdies insbesondere auf der in Amerika von Wellmann ge-machten Erfindung der selbstthätigen Kratzmaschinen. Währendfrüher die Kratzen von den zurückbleibenden Baumwollrestenmit der Hand befreit werden mufsten, — die Arbeiter hiefsen„strippers" — besorgt dies nun die Maschine 1 . Die heute inLancashire mehr und mehr durchdringende Kratze ist eineweitere Verbesserung der Wellmannschen Erfindung, die sog.„revolving flat card".
In der Feinspinnerei beruht die Ersparnis an Arbeit gegen-über Ure auf der Verdrängung der Handmule durch den Sei-faktor, sowie auf der Verlängerung der Spinnrahmen und derVermehrung der Spindelzahl. Zur Zeit Ures schwankte letzterevon 400 auf 600, während nur ausnahmsweise Mules bis zu1000 Spindeln vorkamen. Auf jede dieser Maschinen kamein Spinner mit 2 bis 3 Gehülfen oder, wenn der Spinner bereitsdamals 2 Mules beaufsichtigte, mit 4 bis 6 Gehülfen 2 . Heuteversieht der Spinner in Lancashire stets zwei Maschinen (a pairof mules); er hat dabei nicht mehr als 2 Gehülfen. Hin undwieder finden sich auch statt des Spinners mit zwei Gehülfenzwei erwachsene Spinner (sog. „joining system"). Dahei istdie Zahl der Spindeln pro Mule so sehr gestiegen, dafs heuteetwa das die niederste Spindelzahl ist, was Ure als höchsteLeistung der Technik bewundert. Nach meinen Beobachtungen1891 zu Oldham und Bolton ist die Durchschnittszahl vonSpindeln pro Mule etwa 1000, sodafs 2000 Spindeln von einemSpinner und zwei Gehülfen beaufsichtigt werden. Die gröfstenMaschinen, welche ich festgestellt habe, wiesen eine Spindelzahlvon 2700 bis 2800 pro Paar Mules auf. Soweit bei diesen
1 Vergl. Marsden, Cotton Spinning. S. 120—122.
3 Vergl. Ure, Philosophy of manufactures S. 812, ders. CottonManufacture II 449.
v. Schulze-Gävernitz, Der Grofsbeträeb. 9