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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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einem mehr oder weniger gewagten Unternehmen anlegt, so-dann den Unternehmerlohn, welcher wieder für zweierlei ge-währt wird: einmal für die konjunkturgemäfse Inbetriebsetzung,sodann für die kommerzielle und technische Leitung des be-stehenden Betriebes. Es ist nun klar, dafs zunächst jeneVersicherungsprämie mit dem sinkenden Zinsfuss auch sinkt.Es wird dies um so mehr der Fall sein, als das Risiko teil-weise auf die Löhne abgewälzt wird, welche nach denKonjunkturen steigen oder fallen.

Aber auch der eigentliche Unternehmerlohn geht herab,und zwar in dem Mafse, als technische und geschäftliche Bil-dung allgemein werden, ihr Seltenheitswert damit sinkt undandrerseits die wachsende Arbeitsteilung die zu beherrschen-den Gefahren vereinfacht. Aus beiden Gründen ist in Eng-land das Mafs des Gewinnes mehr als auf dem Festlandeherabgegangen und wird der Industrie dann noch Kapital undIntelligenz zugeführt, wann beides auf dem Festlande längstzurückgeschreckt wäre. Die Grofsindustrie, durch einzelnehochbegabte Pioniere in das Leben gerufen, bedarf, nach-dem sie eingerichtet ist, nicht mehr des Genies eines Ark-wright. Die Fähigkeiten, die sie nun erfordert, sind be-sonders in den Sitzen einer hochstehenden Arbeiterbevölkerunghäufig zu finden. Daher die auffallend niederen Gehalte derDirektoren der Aktienspinnereien zu Oldham.

Hierzu kommt ein weiteres: das sociale Ansehen desFabrikantenstandes macht einen immer beträchtlicheren Teilseiner Bezahlung aus. Wo die bürgerliche Gesellschaft dieerste im Staat ist, wo die industriellen Berufe gesellschaftlichhoch geschätzt werden, wenden sich ihnen auch ohne denReiz ausnahmsweise hoher Gewinne die besten Kräfte zu,welche sonst teils im Beamtenstande Ehre und Ansehen suchen,teils der Industrie anderer Länder ihre Kräfte zur Ver-