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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Mannigfaltigkeit und der Unsicherheit, ob man es mit amorti-sierten Betrieben zu thun hat oder nicht, selbst ob der Unter-nehmerlohn in den Produktionskosten eingerechnet ist odernicht; jedenfalls ergeben sie in Übereinstimmung mit Jannascha. a. 0. 111 u. 112 einen bei niederen Nummern geringeren,bei hohen einen beträchtlichen Vorteil Englands . Nichtnur die höheren Betriebskosten, sondern auch die höherenAnlagekosten ergeben jenen Nachteil für Deutschland . Be-deutet bei Kosten der Spindel von 1 SS % d. Gewinn amPfunde Garn bereits 5°/o Gewinn, so bei den doppelten An-lagekosten nur 2 1 /« %>.

Jedoch hatten die deutschen Spinner in niederen Nummernbereits vor 1878 die englischen Garne vom heimischen Marktemehr und mehr verdrängt. 1877 betrug die Einfuhr anGarnen in Pi-ozenten des Vei'brauchs nur noch 17°/o gegen47% 1858. Da der damalige Zollschutz gering war, sokönnen 1 die Deutschen schon damals grobe Nummern nichtviel ungünstiger als die Engländer produziert haben 2 . Ähn-liches gilt von gewissen Zweigen der deutschen Baumwoll-weberei 8 , welche ebenfalls die englische Einfuhr verdrängt hatte.

Dagegen macht sich auf dem Gebiete der feinen Garneeine internationale Arbeitsteilung in dem Sinne geltend, dafsselbst nach der Veränderung des Zolltarifs von 1878 dieSpinnerei feiner Garne in Deutschland weiter zurückgegangenist gegenüber einem bedeutenden Aufschwung der Spinnerei

1 Für rohe einfache Game von Nr. 410 betrug der Zollsatz 1-5,8 %der Produktionskosten, für alle feineren nach dem System der Gewichts-zölle entsprechend weniger.

2 Stat. Erm. I S. 5. Aus Süddeutschland aber waren die Eng-länder bis Nr. 40 und höher, aus Norddeutschland bis gegen 30 ver-drängt. In den 20 Jahren von 18581877 war die Einfuhr in Prozentendes Verbrauchs von 47,7 °/o auf 17,3 °/o gesunken. Ber. S. 50.

3 Vergl. Bericht der Enquetekommission S. 83 u. 84.

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