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und will, hat in Lancashire Not zu leiden. Niemals warendie Löhne gleich hoch und niemals soviel Nachfrage nachArbeit. Ein guter Weber — die meisten derselben sindjunge Frauen — kann 24 sh. die Woche verdienen. Eingeschickter Arbeiter, welcher mit 2 oder 3 Kindern in einerSpinnerei arbeitet, steht sich besser als mancher Landgeistliche.Es giebt genug Familien, deren jährliches Einkommen sichdurchschnittlich an £ 100 beläuft. Tagelöhner erhalten 6 cldie Stunde. Die hohen Löhne sind nicht allein auf die Fabrik-arbeiter beschränkt. In dem Bezirk von Fylde, dem Gartenvon Lancashire, werden ländliche Arbeiter, meist junge Leute,gesucht, zu einem Wochenlohne von 9—11 sh,, freier Stationund Wäsche. Ohne Umstände pachten die Farmer den AckerLandes zu j£ 3.
Auch hat der Wohlstand die Sparsamkeit gehoben.Jedes Dorf, beinahe jeder Weiler, hat seinen Konsumverein,der von Arbeitern geleitet wird, die das Kapital verwaltenund weder Kredit brauchen noch gewähren. Der Agent einergrofsen Lebensversicherungs - Gesellschaft, dessen Bezirk zumTeil industriell zum Teil ländlich ist, erzählte mir, dass esschwer sei, in Lancashire einen Mann zu finden, dessen Lebennicht versichert sei.
All das beweist eine grofse Regsamkeit. Die BewohnerLancashires waren nie trägen Geistes, heute aber dank derbesseren Erziehung und der Vermehrung von Zeitungen hatsich Intelligenz ausserordentlich verbreitet. Vor 50 Jahreneröffnete ein Fabrikant, wie er mir selbst erzählte, ein Lese-zimmer auf eigene Kosten und versorgte es mit passenderLektüre; aber so wenigen war die Kunst des Lesens geläufig,dafs einer der gewandteren vorlesen mufste, und als das zuUnordnung und Zank Veranlassung gab, mufste das Lese-zimmer geschlossen werden. Damals gab es keine einzige
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