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welche mit denen Lancashire's in den dreifsiger Jahren undden gegenwärtigen deutschen viel Ähnlichkeit besitzen.
Begeben wir uns z. B. von Manchester nach Bradford,dem Mittelpunkte der Kammgarnindustrie, so treten wir ineine andre wirtschaftliche wie sociale Welt. Schon der Roh-stoffmarkt ist hier weniger entwickelt als der für die Baum-wolle. Während der Spinner in Lancashire von Woche zuWoche kauft, wird die Wolle auf halbjährigen Auktionenin Liverpool versteigert. Damit wird eine besondere Klassevon Wollkaufleuten in Bradford nötig, welche das mischenund kämmen der Wollen in Kommission besorgen lassen. BeideArbeiten haben durchaus den Charakter eines Saisongeschäftes:sie werden während eines Teiles des Jahres in Tages- undNachtschicht vorgenommen, wobei die Löhne niedrig und dieArbeitsbedingungen gesundheitswidrig sind. Beispielsweise habendie Wollkämmer (einer je zwei Kämmmaschinen), welche inNachtschicht wöchentlich 60 Stunden bei 120 Grad Fahrenheitarbeiten, nicht mehr als 1 wöchentlich und verlieren 20 Wochendas Jahr wegen Arbeitslosigkeit.
An wirtschaftlicher Entwicklung steht die Kammgarn-spinnerei und die Weberei Bradfords gegen Lancashirezurück: 10 000 Spindeln wurde mir als Durchschnittfür die Kammgarnspinnereien Yorkshires angegeben und60—100 Stühle für die durchschnittliche Weberei in Brad-ford. Wo ausnahmsweise grofse Betriebe auftreten, be-ruhen sie nicht auf dem Aktiensystem, welches überhauptwenig entwickelt ist, sondern auf dem Monopol irgend einerSpecialität. Hierzu gehören z. B. die Webereien in Saltaire.
In gleicher Weise stehen die Arbeitsbedingungen in denKammgarnspinnereien Yorkshire's und den „stuff good" We-bereien Bradfords tief unter Lancashire . Die in den Spinnereienbeschäftigten Arbeiterinnen verdienen nicht über 10 sh. die