Druckschrift 
Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 
  

Bekanntlich besteht zwischen der deutschen und englischenKammgarnindustrie zwar eine weitgehende Arbeitsteilung,welche sie in vieler Hinsicht nicht zu unmittelbaren Konkur-rentinnen macht; jedoch wird man, alles überschlagen, nichtfehl gehen, wenn man die deutsche und englische Industrieauf diesem Gebiete an wirtschaftlicher Entwicklung etwa gleich-wertig ansieht. Damit ähnliche sociale Verhältnisse zwischenbeiden; damit der Unterschied zwischen Bradford und Lanca-shire, obgleich beide nur durch eine Stunde Eisenbahnfahrtgetrennt sind.

Aber noch weitere Belege der Abhängigkeit der socialenvon den wirtschaftlichen Verhältnissen bietet die IndustrieYorkshires . In verschiedenen Gegenden dieser Grafschaft be-steht noch die Wollweberei als Hausindustrie, so in Golcar,Skelmanthorpe, Clayton West, Scisset und Durby Dale. DieLage der hier noch thätigen Hausweber erinnerte mich in vieleman das, was oben betreffs der Hausweberei Lancashires inden dreifsiger Jahren gesagt wurde. Während man heute dieletzten Exemplare dieser einst so zahlreichen Klasse in Lanca-shire nur mit Mühe auffindet, machen sie in Yorkshire nochdie Hauptbevölkerung der genannten kleinen Weberdörfer aus,und obwohl Kinder auch kaum mehr angelernt werden, dürftesich das gänzliche Aussterben der Hausweberei hier noch einMenschenalter hinziehen. Die Zahl der Hausweber in derWollindustrie dürfte übrigens auch heute schon einige Hundertnicht überschreiten.

In kleine Betriebe aufgelöst ist auch die wirtschaftlichebenfalls wenig fortgeschrittene Wollspinnerei und Wollweberei,welche in und um Leeds und Battley ihren Sitz hat. DieDurchschnittsgrösse dieser Spinnereien beträgt nur 2000 bis8000 Spindeln, der Webereien 40 bis 50 Stühle; in denmeisten Fällen verfertigen die Fabriken das Garn oder einen