hat, gesteht doch zu, daß „die Ausgleichung der Mißerntenviel wert sei"?) Das Verdienst schreibt er aber ausschließlich den„neuen Verkehrsmitteln" zu.
Gewiß bilden diese, bildet das Emporkommen der neuen Ver-kehrstechnik die eine, eben die technische Bedingung der Ausglei-chung — wäre jedoch nicht anch die andere, die sociale Bedingungerfüllt, d. h. wäre nicht der Kornhandel zwischen Ländern undKontinenten gestattet, so könnte die Ausgleichung bei weitem keineso vollkommene sein, wie sie heute ist.
Wenn das Programm der Autarksten in Erfüllung ginge— wenigstens in seinem Hauptpunkte, der Wiederherstellung derkornwirtschaftlichen Autarkie^) — so könnte zwar, dank der „neuenVerkehrsmittel", innerhalb Deutschlands eine Ausgleichung guterund schlechter Ernten der einzelnen Gebiete erfolgen; aber die Ge-fahr der Mißernte, bez. der Zuvielernte Deutschlands als Ganzenbestünde fort.
Nur dadurch, daß Deutschlaud Kornhandel treibt mit allerWelt, wird sie beseitigt, oder mindestens gewaltig abgeschwächt. Wieviel höher würde, bei kornwirtschaftlicher Autarkie, im Jahre 1891der Roggenpreis emporgeschnellt sein — damals, als die Ernte nur4,7 Millionen Tonnen ergab, gegen 6,3 und 5,3 Millionen Endeder achtziger Jahre, gegen 7 Millionen in den späteren neunzigerJahren! 6)
Allerdings — trotz unseres Kornhandels mit Osteuropa undÜbersee trat damals eine beträchtliche Steigerung des Roggenpreisesein. Weshalb aber? Weil der Verkehr in Roggen weit wenigerweltwirtschaftlich entwickelt ist als der in Weizen. Für Roggen istRußland das ausschlaggebende Exportland; und damals, 1891, hatteRußland eine miserable Roggenernte (f. o.), konnte das Manko inDeutschland durch seine Zufuhr nicht ausgleichen. Eine weit be-trächtlichere Steigerung des Preises wäre aber bei uns eingetreten,wenn wir damals, behufs Deckung unseres Roggenbedarfs auf den
Oldenberg, S. 10. — Der Satz widerspricht allerdings dem Satzevon den „wie gewöhnlich internationalen Mißernten" (s. o. S. 25).2) Vgl. unten Abschnitt III.
°) Vgl. Statistisches Jahrbuch des Deutschen Reiches 1899, S. 26.