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„als minder rentabel relativ vernachlässigt" (Oldenbcrg), sondern siemit allem Eifer gesucht; zwischen 1760 und 1834 sind hier 6,8 Mill.englische Morgen urbar gemacht.^) Die Neigung des Kapitals zurLandwirtschaft hielt so lange an, bis die ausländische Kornkoukurrenzdas Preisniveau herabzudrttcken begann. Wenn die ausländischeKonkurrenz aber künftig — wie Oldenberg befürchtet — erlahmen,wenn wiederum die Nahrungszufuhr knapp werden und damit derWeizenpreis schärfer und schärfer anziehen sollte, so würde wieder,wie in jenen „Halc^on ä^s- der englischen Grundherrn währendder Napolevnischen Periode, das Kapital eine ,sg.A6r aviäit^", einen,ög.Asr resort", sich in der Lebensmittelproduktiou nützlich zu machen,beweisen, würde nicht zaudern, sondern sich, wie damals, überstürzeu— würde aus alleu minder rentablen industriellen Unternehmungenin Menge und im Fluge sich lösen, um zu dem jetzt rentablerenGeschäft, Weidegründe in Weizenbvden zurückzuverwandeln, ja nichtzu spät zu kommen.
Wie in England, so ist auch in Deutschland der Hang desKapitals zur Industrie erst neuern Datums.
Allerdings — zunächst wirkte der Zollverein, dank der hohenJndustriezölle des Tarifs von 1837, dahin, „das Manufakturinteresseauf Kosten des Agrarinteresses zu stärken. Da die Nachfrage desAuslandes uach den Erzeugnissen der deutschen Landwirtschaft —zufolge der gleitenden Kornzollskala Englands und Hollands —uugewiß und launenhaft war", so wurden unter dem Drucke desniedrigen Durchschnittspreises der agrikolen Produkte „die Kapitalienaus dem Ackerbau genommen uud in die Industrie gesteckt".
„Wären" — so schrieb damals (1840) Bowring weiter —„dem deutschen 'Landwirte die fremden Märkte zugänglich, so würdeohne Zweifel die Flut der Kapitalien nach der Industrie gehemmt",würden sie sich mehr dem Ackerbau zuwenden, da dann „der höherePreis in den Ländern, welche deutsches Korn importieren", z. B.in England, für den Preis des Korns in Deutschland bestimmendwerden würdet)
-) Engels, a, a. O., S. 13.
Bowring, a, a. O,. S, 12 und 13.
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