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Weltwirtschaft und Volkswirtschaft / von Heinrich Dietzel
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als ein zur Massenbesiedlnng hervorragend taugliches Gebiet ge-schildert, dank reichlichein Negenfall, großen Wasscrvorräten im Boden

es fehlt ihm nichts als Bevölkerung" (Minister Laing).^)

Wettn diese Länder, wie auch Transvaal und der Oranje-staat, bisher der Viehzucht vor dem Ackerbau den Vorzug geben °)

nirgends haben die Ochsen in der hohen Politik so viel mit-zusprechen wie in Südafrika", so liegt dies nicht daran, daß siezum Ackerban, zur Produktion von Brotfrüchten u. s. w., sich nichteignen, sondern an dem Mangel an Arbeitern nnd Kapitalien,an dem Hochstand von Lohn und Zinsfuß; weiter an dem Mangelan Verkehrsmitteln,

Gleiches gilt von den deutschen Kolonien im Westen undOsten Südafrikas.Sobald der Europäer, der hierzulande beidem Mangel an helfenden Händen notgedrungen zu vielerlei gleich-zeitig unternimmt, Zeit findet", die Landwirtschaft rationell zu be-treiben, werden die Erfolge nicht ausbleiben. Namaland meintman sei zu eiuem der ersten Obst- und Weinbandistrikte prä-destiniert; nicht die Schwierigkeit, Wasser zu beschaffen, hemme dieEntwickelung der Garten- uud Ackerwirtschaft, sondern die Schwierig-keit des Absatzes.Solange der Markt fehlt für die Feldfrüchte,ist man zumeist auf Viehzucht angewiesen."^)

Man braucht unsern Kvlonialschwärmern lange nicht Alles zuglauben, wird an ihre Berechnungen des Verhältnisses von Kostennnd Erträgnis vielfach dicke Fragezeichen machen müssen. So vielaber kann man ihnen zugeben, daß diese Gebiete früher hinsichtlich

-) Export, 1894. Ebenso über Transvaal : Export, 1894, S. 6S8.D. Handelsarchiv, 1899, II, S. 623.

2) Daß auch die Viehzucht nicht in dem Maße betrieben wird, wie esnach den natürlichen Bedingungen geschehen könnte, hat seinen Grnnd darin,daß der Diamaut- wie der Goldbergbau, die uoch besser rentiere», ihr die Ar-beiter und die Kapitalien wegnehmen.

°) D. Kol.-Ztg,, 1898, S. 137. Über die Möglichkeit einer namhaftenSteigerung der agrikvlen Produktionbei zunehmender Bevölkerung, größererSeßhaftigkeit" in Deutsch-Ostafrika vgl. den Bericht Schele's im Kolon.-Blatt, 1894.

Besonders aber: Th. Rehbock, Deutsch-Südwestafrika . Seine wirtschaft-liche Erschließung unter besonderer Berücksichtigung der Nutzbarmachung desWassers, 1899.