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England und Deutschland / G. von Schulze-Gaevernitz
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werkschastskongreß zu Hamburg 1908 erklärte der Ab-geordnete Molkenbuhr die antimilitaristische Propagandavieler Parteifreunde fürkleinbürgerlichen Kadikalismus".Ein Bernstein wagte den Latz:Wo wichtige Interessender Nation in Frage stehen, kann die InterNationalitätkein Grund schwächlicher Nachgiebigkeit gegenüber denPrätensionen ausländischer Interessenten sein." Kber nochscheinen solche Unterströmungen auf lange hinaus zuschwach, um auf den Gang der Parteipolitik Einfluß zugewinnen. Wie dem immer sei, jedenfalls ist die politischeBückständigkeit der deutschen Arbeiter kein ernsthaftesHindernis des Flottenbaues.

Das gleiche gilt von der Hoffnung unsererFreunde",daß Deutschland sich durch den Flottenbau finanziellzugrunde richte.^) Zwar scheint diese Meinung aus denersten Blick berechtigt, wenn man das chronische Defizitdes deutschen Reiches und seine in Friedenszeiten wachsendeVerschuldung mit dem glänzenden Stande der britischenFinanzen vergleicht.

Durch eine mustergiltige Grdnung der Finanzen hatder Liberale Gladstone das britische Weltreich untermauert.Sein System verbindet bekanntlich, unter Freilassung dernotwendigsten Lebensbedürfnisse, direkte Steuern mit Ver-brauchsabgaben aus Massenluxus, wobei der Schwerpunktimmer noch auf letzteren ruht. Im Rechnungsabschluß fürdas Finanzjahr 1906/07 brachten Zölle und Verbrauchs-steuern an 65 Millionen Lstr., Einkommen- und Erb-schaftssteuer dagegen nur an 50 Millionen Lstr. Dasfrei-händlerische" Großbritannien erhob 1906 an Zöllen17,13 M., Deutschland nur 10,34 M. pro Kops der Be-völkerung.

Die Erfolge dieserFreihandelsfinanz" sind mit denHänden zu greisen. Der Voranschlag für das abgelaufene