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crscheinungen ein Ganzes. Die Entwicklung der Gesellschaftist unabhängig von dem Entstehen und Vergehen der Indi-viduen. Letztere dagegen sind durch Vererbung und Erzieh-ung in allem ihre Erzeugnisse. Sie sind nicht nur vermögeder Arbeitsteilung von ihren mitlebenden Genossen abhängig,sondern verdanken alles, was sie sind, der Arbeit der Ver-gangenheit. „Dieses England von heute ist das Ergebnisvon allem, was weise, edel und in Übereinstimmung mitGottes Wahrheit in allen Generationen von Engländern ge-funden wurde — von allem, was je eine Distel abschnitt,einen Sumpf austrocknete, einen weisen Plan ausführte, etwaswahres und tapferes that oder sagte.
Eine unendliche Menge gethaner Arbeit liegt hinter uns,von der nur ein kleiner Bruchteil in der Erinnerung derMenschen lebt, das meiste der Vergessenheit anheimgefallenist. Der Arbeit seiner Vorfahren verdankt insbesondere derKulturmensch sein Dasein und seine moralischen wie intellek-tuellen Errungenschaften: Sprache, Poesie, Wissenschaft, Recht,und Religion. Einer, der daher die Geschichte vollständigübersähe, wäre allwissend, denn alles Wissen, alle Wissen-schaften sind in derselben enthalten, wie z. B. die mathe-matischen Begriffe: Sphäre und Cylinder, Ergebnis derArbeit des Menschen Archimedes sind und bestimmte Durch-gaugspunkte in der Entwicklung der Menschheit bedeuten.Von diesem Gesichtspunkte aus wird der Satz verständlich,daß die ganze Welt ein Produkt der Gesellschaft sei; dennunser gesamtes Erkenntnisvermögen wurde erst im Laufe derGeschichte entwickelt. Es ist dies im Grunde nichts als dieBehauptung der Relativität aller Erkenntnis; z. B. dasGesetz der Schwere wurde nicht sowohl vom Menschen „auf-gefunden" als entwickelt. Anders konstruierten, erkennen-den Subjekten brauchte es nicht einzuleuchten, daher istüberhaupt die Außenwelt Erzeugnis der menschlichen Ent-wicklung.
Carlyle sagt in seinem 1833 veröffentlichten Aufsatz
5) Vergl. Carlyle in ?a,8t anÄ ?rössnt S. 72.