— 42 —
doch die ein Ganzes zusammensetzenden Einheiten auch nachihm durch Veränderungen, welche das Ganze durchmacht, mitmodifiziert, so daß jede Einheit mehr oder weniger ein Ab-bild der Organisation des Ganzen in sich trägt, worausSpencer in seinen Prinzipien der Biologie wichtige Folge-rungen betreffend die Vererblichkeit der erworbenen Eigen-schaften ableitet; jedoch gilt nach ihm der Satz ebenso fürdas soziale Ganze, die Gesellschaft,
Die inneren Formen der Gesellschaft.Alle gesellschaftliche Zusammenfassung der Menschen istbedingt durch eine gewisse Selbstaufopferung von feiten deseinzelnen. . Einige wenige, die Helden der Menschheit, erhebensich zum Enthusiasmus, d. h. zum gänzlichen Aufgeben inaußer ihnen liegenden Zwecken, während bei den meisten derEgoismus noch vorherrscht nnd mir ganz allmählich zurück-tritt. Diese Überwindung des menschlichen Ich nennt CarlyleReligion, auf der daher nach ihm alle Gesellschaft beruht.Er steht mit dieser Bezeichnung in Übereinstimmung mit denfortgeschritteneren Religionen, insbesondere mit der christ-lichen, welche ihr Wesen in einen radikalen Umschwung desmenschlichen Willens setzt. Indem der Christ dem natürlichenMenschen abstirbt, wird ihm Wiedergeburt und Erlösung zuteil. Dem gegenüber sind die Vorstellungen des Glaubens,die Dogmen, zwar unentbehrlich, aber doch nur Mittel unddaher als solche jenem Zweck untergeordnet. Denn es willder Mensch nie abstrakt, ob es sich nun nm egoistisches oderaltruistisches Wollen handle, sondern er will stets ein be-stimmt vorgestelltes Ziel, welches dem Gebiet der Vorstellungangehört. Wollen und nach bewußten Zwecken wollen, istdas gleiche. Wir betrachten zunächst das dem Egoismus,sodann das dem Altruismus entsprechende Gebiet der Vor-stellung.
1. Das Wollen des natürlichen Menschen, gleich demdes Tieres, ist selbstsüchtiger Natur, lediglich auf Erhaltungund Fortpflanzung, des eigenen Daseins gerichtet. Jedochist dieses Wollen nicht etwa abstrakt'; es ist auf bestimmte