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dem Glauben beruht von Anfang an alles menschliche Dasein,welches ohne ihn zu tierischen Zuständen zurücksänke. Dessenmnß der Mensch zu allen Zeiten sich bewußt sein, oder fallser es nicht ist, wird er sich unter Strafe der Vernichtungbewußt werden, daß „das Universum ein unendliches ist,daß er nicht versuchen darf, es zu logischer Verdauung eiu-zuschlucken, sondern dankbar sein soll, wenn er, diesen oderjenen festen Pfeiler in das Chaos geschickt einpflanzend(durch den Glauben), dasselbe verhindert, ihn selber einzn-schlucken".
Die äußeren Formen.
Es ist für Carlylc ein Satz von grundlegender Wichtig-keit, daß alles Denken nur zum Zweck des Thuns da ist,die geistigen Fähigkeiten nicht anerschaffen, sondern, weil siesich als fördernd erwiesen, entstanden sind. Carlyle berührtdamit den Grundgedanken von Schopenhauers „Welt alsWille nnd Vorstellung", wobei man von der allerdings sehrverschiedenartigen Ausdrucksweise abzusehen hat. Auch nachSchopenhauer hat „der Wille zum Leben" die Welt der Er-kenntnis hervorgebracht, welche für den Standpunkt der „Ver-neinung des Willens" bedeutungslos wird.
Ähnlich Carlyle, nur daß ihm der Quietismus durchausfernliegt, dem Schopenhauer verfällt. Die Welt der Erfahrungentspricht nach ihm dem selbstsüchtigen Willen und dient zurErhaltung des individuellen Lebens, die Welt des Glaubensentspricht dem selbstlosen Willen und dient zur Erhaltungeines überindividuellen Lebens: der Gesellschaft. Daher istder Glaube völlig wertlos, der nur gedankcnmäßig ist undnicht den Willen, das ist das eigentliche Wesen des Menschen,beeinflußt — übereinstimmend mit dem Christentum, dassolchen Glauben als „tot" verwirft.
Der „lebendige" Glaube dagegen bewirkt eine Umkehrdes menschlichen Willens. Während die Selbstsucht nur alleindas eigene Dasein bejaht und dem gegenüber das der ganzenWelt verneint, verneint der Glaube das individuelle Dasein