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Thomas Carlyle's Welt- und Gesellschaftsanschauung / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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183
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Deutschlands Thür. Dieselben Probleme, dieselben Kämpfestanden ihm bevor. Aber noch waren in Deutschland ge-schichtliche Mächte aus früherer Zeit überkommen, welcheihrerseits zwar gewiß auch vergänglich noch auf langehinaus imstande schienen, den Bestand der Gesellschaft äußer-lich zu sichern. Indem Deutschlandden Vorsitz in Europa "angetreten habe, meinte Carlyle, sei für Europa eine weitereFrist von mehreren Jahrhunderten gestellt zu dem Versuche,die in ihm vorhandenen Keime des sozialen Neuaufbaues zuentwickeln.

Dieser Versuch freilich dürfte nach seiner Ansicht nurdann gelingen, wenn der Entwicklung, die in friedlichenBahnen zu halten man stark genug ist, uugehinderte Ent-faltung gewährt wird. Nur die freie Entfaltung der Geisterist imstande, dem haltlosen und zerrissenen Zeitalter neueIdeale zu geben und damit ncne soziale Zusammenhänge zuschaffen. Carlylcs Verdienst aber wird es bleiben, denGrundpfeiler jener neuen und doch alten Weltanschauungaufgerichtet zu haben: Eine hervorragende Stellung iu derGesellschaft ist nur dann berechtigt, wenn sie der Hebung derunteren Schichten, Besitz nur dann, wenn er der Aufwärts-bewcgung der Besitzlosen dient.