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Ueber Colonisation / von F. C. Philippson
Entstehung
Seite
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Verkehr von dieser abhängig ist, zeigt der Vergleich zwischen dentransoceanischen Schifffahrtsverhältnissen unserer Nord- und Ost-seehafenplätze. In Folge der Handelsverträge haben wir alle Rechte,welche zum Handels- und Gewerbetrieb in fremden Colonien er-forderlich sind, erlangt und sind in dieser Beziehung den ein-heimischen Bürgern gleich gestellt worden. Die deutsche Handels-welt macht einen ausgiebigen Gebrauch davon, wie die Hebung deseinheimischen Handels mit den Colonien beweist. Der Deutsche acclimatisirt sich überall und nimmt in der ganzen Handelswelteine nicht allein geachtete sondern auch hervorragende Stellungein. Wenn man die Einzelgeschichte der grofsen deutschen Han-delshäuser verfolgt, so zeigen sich stets kleine, meist auf localenVerhältnissen beschränkte Anfänge, die sich nach und nach er-weitern. Gewöhnlich wird ihr Handel dann über England , oftaber auch direct in die Colonien verpflanzt, und man kann be-haupten, dafs gerade die Interessenlosigkeit der deutschen Staats-verhältnisse den überseeischen Ländern gegenüber der Prosperitätdes Handels förderlich gewesen ist. Der deutsche Kaufmann istnicht, wie man uns gern glauben machen möchte, der Pariaunter den Fremden, ebenso wenig wie der deutsche Auswanderer.Die Stellung der Deutschen in den Colonien ist eine ehrenvolleund die Bezeichnung «Völkerdüngers ist eine jener sinnlosenPhrasen, die, auf Effect berechnet, nur der Unwissenheit im-poniren können.

Alle Anhänger der Colonisation geben es zu, dafs eine Mono-polisirung heutzutage unmöglich ist und dafs die staatlichenMonopole sowohl als die politische Handelsgesellschaft einervergangenen Zeit angehören. Holland übt erstere zwar nochim beschränkten Maafsstabe in seinen ostindischen Besitzungenaus, aber nicht zum Vortheil seines Gesammthandels und eswäre überflüssig, dies Thema überhaupt zu berühren, wenn nichtdie neue Wendung in den Verhältnissen der «deutschen Seehan-dels-Gesellschaft», welche Handel und Rhederei nach den Siidsee-inseln treibt und auf Samoa einen ausgedehnten Plantagenbesitzerworben hat, dies insofern herausforderte, als sich im Publikumder Gedanke verbreitet hat, dafs diese Inselgruppe für Deutsch-land ein zweites Ostindien bilden könnte und Viele im Geisteschon einer Ueberfluthung von Nabobs entgegensehen. Die Ver-hältnisse liegen jedoch ganz anders und von einer monopolisiren-