7
fasser erschöpfen die Gründe, welche ihre Gesinnungsgenossenfür die Colonisirung anzuführen haben, weshalb ich, soweit es derRaum gestattet, mich an den Gang ihrer Betrachtungen anlehnenwerde.
Aus welchen Gründen sich die öffentliche Meinung zu Gunsten derdeutschen Colonisation umgewandelt haben soll,
Herr Fabri nimmt es als feststehend an, dafs sich die Stim-mung in der öffentlichen Meinung jetzt zu Gunsten der Colonisa-tion gewendet habe, und führt diesen Wechsel zurück auf:
1) Unsere wirtschaftliche Lage,
2) Die Krisis unserer Zoll- und Handelspolitik,
3) Unsre sich mächtig entwickelnde Kriegsmarine.
Unsere wirtschaftliche Lage war, als der Verfasser jeneBrochüre Anfangs Februar 1879 schrieb, von unserer jetzigenim ersten Quartal 1880 sehr verschieden, und der Grundtonder allgemeinen geschäftlichen Mifsstimmung jener Zeit klingtdeutlich in ihr durch, wie sie überhaupt manches Material ausdem ehemaligen Rüstzeug der Schutzzollagitation verwendet.
Die meisten der Befürchtungen jener Periode haben sichnicht erfüllt und viele sind ohne Einwirkung der veränderten Zoll-und Handelspolitik in das Gegenteil umgeschlagen. Die niedrigen Preise der Hauptkampfartikel Getreide, Eisen und Gespinnstesind überall zu unerwarteter Höhe hinaufgegangen. Der Schreckens-ruf, dafs die Engländer unsere Märkte mit ihren Fabrikaten alsErsatz für den verloren gegangenen Amerikanischen über-schwemmen würden, wirkt heute geradezu komisch, wenn mansieht, wie der amerikanische Bedarf die Industrien Europas belebthat und dafs Deutschland seinen Ueberflufs direct und indirect insAusland versendet. Die Actien der notleidenden Hüttenwerkehaben einen rapiden, oft unmotivirten Aufschwung genommen undder Börsenschwindel erhebt wiederum unter der Aegide der Schutz-zölle siegreich sein Plaupt. Frankreich sowohl als England be-grüfsen den amerikanischen Getreide-Import als eine rettende Hilfegegen die drohende Hungersnot, und bei uns selbst zeigen die