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rung hauptsächlich von den Männern im Lebensalter zwischen20 und 35 Jahren abhängt. Diese bilden aber in der irischen Be-völkerung 25 pCt., während sie in der Emigration 50 pCt. betragen.
Nach allen vorliegenden Thatsachen mufs ich die Furcht voreiner Uebervölkerung bei uns einstweilen für unbegründet halten.Bisher haben wir wenigstens keine Spuren davon wahrgenommen,und Mafsregeln gegen ein Uebel, dessen Vorhandensein sich durchkeinerlei Zeichen indizirt, schon jetzt zu treffen, wäre um so un-gerechtfertigter, als die Wirkung der vorgeschlagenen Hilfsmittelzweifelhaft ist.
Die Klagen über die zu starke Volksvermehrung in einzelnendeutschen Distrikten wie in Oberschlesien und einem Theil vonSachsen mögen begründet sein, aber ihre Ursache liegt in derDegeneration des Volkes, welches sich zu keiner Auswande-rung nach anderen Landestheilen emporschwingen kann, sondernam Heimathsort und an der althergebrachten Beschäftigung (wiean der Weberei in Sachsen und Schlesien ) kleben bleibt. Eineüberseeische Auswanderung würde dort jedoch am wenigstenam Platze sein, da der Auswanderer sicher untergeht, wenn ernicht eine gröfsere Schwungkraft mit sich bringt, als die alten Ver-hältnisse beanspruchen; denn nirgend ist der Kampf um das Da-sein ernster als bei der Neugründung einer Heimath in fremdemLande.
Staatlich organisirte Auswanderung.
Eine staatlich organisirte Auswanderung soll, nach der An-sicht der Colonisationsfreunde, als Abhilfe gegen die befürchteteUebervölkerung dienen; sie versprechen sich von derselben fernerdie günstigsten Rückwirkungen auf das Mutterland und einen Er-satz fiir die Opfer, welche es zu bringen hat, wenn die Colonie in einem staatlichen Zusammenhänge mit ihm bleibt.
Die Kosten der Auswanderung bestehen in der Ausgabe fürden Transport, den Ankauf des zu bebauenden Landes und derArbeitswerkzeuge, sowie in der Auslage für den Unterhalt der AusWanderer bis zu dem Zeitpunkte, wo sie die flir ihre Erhaltung