genügenden Erträge erwerben können. Diese Zeitdifferenz ist nichtganz klein, sondern man darf annehmen, dafs selbst bei der treff-lichsten Vorbereitung ein Jahr nach ihrer Ankunft vergeht, ehejener eintritt. Die Kosten sind also nicht unbedeutend und be-tragen, selbst wenn das Land gratis oder zu einem geringenPreise zu haben ist, nach der allgemeinen Annahme mehr als denVermögensdurchschnitt pro Kopf der Bevölkerung des Mutterlandes.Hierdurch wird aber die Masse der Zurückbleibenden geschädigt,da das Capital der Nation verloren geht. Schon die Auswan-derung ohne Staatshilfe ist ein Verlust für den Nationalreichthumund nach der Berechnung der Auswanderungsökonomisten beträgtsie enorme Summen. Nach Herrn Fabri’s Angabe, welcher sichauf Moldenhauer stützt, soll der Verlust, den Deutschland durchdie Auswanderung erlitten hat, einschliefslich des Werthes derverlorenen Arbeitskraft in niedrig gehaltenen Ansätzen jährlich3 Millionen Mark oder im Ganzen 15 Milliarden Mark betragen;Herr von Weber berechnet ihn sogar auf 23 Milliarden Mark,wenn man noch die Erziehungskosten der Auswanderer hinzuzählt.Mögen diese Annahmen zuverlässig oder nicht sein, so läfst sichein Verlust des Nationalvermögens durch die Auswanderung nichtbestreiten. Doch möchte ich hierbei bemerken, dafs mir in den De-ductionen derjenigen, die eine Uebervölkerung behaupten, einWiderspruch zu liegen scheint, wenn sie die verlorene Arbeits-kraft capitalisiren, da nach ihrer Ansicht zuviel Arbeitskräftevorhanden sind, also ein Ueberflufs, welcher ökonomisch nichtnutzbar und daher schädlich ist. Wir Andern hingegen, die wirdies nicht zugeben, müssen allerdings die verlorene Arbeitskraftals einen wesentlichen Schaden mit in Betracht ziehn. An dergewöhnlichen Auswanderung können ganz Unbemittelte nichtTheil nehmen, und wenn sich ein Landestheil besonders starkdaran betheiligt, so pflegt dies ein Beweis zu sein, dafs eineeigentliche Notli nicht geherrscht hat, sondern die Auswanderungvon dem nicht ganz besitzlosen Theil des Volkes gewählt wor-den ist, um seine Arbeitskraft mit Hilfe des ersparten Kapitalsvortheilhafter als im Heimathsdistrikte verwerthen zu können.Sociale sowohl als politische, oder auch religiöse Beweggründesind zuweilen die treibende Ursache. Die Schwierigkeit, wegengesetzlicher Hindernisse, Grundeigenthum zu erwerben wie inMecklenburg , oder eine zu grofse Güterzersplitterung wie in ein-
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