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Ueber Colonisation / von F. C. Philippson
Entstehung
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Wie einem bekannten physikalischen Gesetze gemäfs Flüssig-keiten, welche in Bewegung versetzt sind, die Eigenschaft besitzen,Nebenströmungen zu erregen, die sich mit ihnen zu vermengentrachten, so zeigt sich Aehnliches auch auf geistigem Gebiete.Die grofse nationale Bewegung, welche seit einem Jahrhundertdie Völker des europäischen Continents energisch erfafst undviele andere berechtigte Bestrebungen in den Hintergrund ge-drängt hat, ist von solchen Nebenströmungen nicht frei geblie-ben. Man kann den Triumpf des nationalen Prinzips als dieReaktion gegen die dynastisch - absolutistische Herrschaft dervorangegangenen Jahrhunderte bezeichnen, jener Richtung, dieohne Rücksicht auf die Natur der Völker die Länder als Domänen,die Menschen als willenloses Inventar behandelte, welche Zusammen-gehöriges gewaltsam trennte, sowie Widerstrebendes nicht mindergewaltsam verband und, um leichter herrschen zu können, dienationalen Antipathien emsig und perfide zu schüren verstand.

Die Wirkungen jener Epoche äufsern sich noch jetzt; dennwährend die moderne Entwickelung der Verkehrswege Nation anNation, Welttheil an Welttheil näher rückt und räumliche, wirth-schaftliche und geistige Differenzen auszugleichen bestrebt ist,taucht der Merkantilismus, die Hinterlassenschaft jener Periode,wieder und wieder auf und versucht es, den befruchtenden Verkehrzwischen den Völkern zu Gunsten weniger, mächtiger Interessenzu hemmen. Hinter der Maske des Patriotismus versteckt, ver-steht er günstige Gefühle für sie wachzurufen, und mit dem Mifs-brauch dieses Wortes gelingt es ihm häufig genug, den Blick vonihnen abzulenken und das Verständnifs zu verwirren. Politisches