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Vorurtheil und vorübergehende wirthschaftliche Mifsstände ver-einigten sich, den Rückschritt zu begünstigen und das Internatio-nale als Gegensatz des Nationalen zu verdächtigen, während jenesin der That die Berechtigung des Letzteren nie bestreitet. Wenndas Nationale der Gesammtausdruck des Eigenthümlichen ist, dassich ein Volk durch seine Entwickelung erworben hat, so sinddie internationalen Beziehungen bestrebt, von jedem Volkselementedas Ueberflüssige entgegen zu nehmen und ihm das Fehlende inmateriellem und geistigem Austausche zuzubringen. So wirken sieregulirend, und der friedliche Kampf, den sie hervorrufen, stähltdie Nerven der Nationen und bewahrt sie vor Entartung.
Wie jene rückschreitende Bewegung auch bei uns einen einst-weiligen Erfolg erzielt hat, ist in frischer Erinnerung, und die Um-kehr ist um so bedeutungsvoller, als Preufsen der erste Staatwar, dessen damals absolutistische Regierung, dank der weisenErkenntnifs seiner Staatsmänner, sich zuerst vom Merkantilismuslosgesagt hatte. Wir alle kennen die Anspannung im wirthschaft-lichen und geistigen Leben, deren Deutschland bedurfte, um seineStellung unter den Nationen zurückzuerobern und zu behauptenund die Ueberzeugung, dafs hierzu die freie Entfaltung allerKräfte das wirksamste Mittel sei, ist bis vor Kurzem die Richt-schnur der Regierungspolitik gewesen und hat sich als Ueber-lieferung im Volke erhalten. Es sollte nicht so bleiben; dieAbspannung in Folge der Kriege, die Wirkungen der Krise, diealle Länder der Welt verheerend überzog, die sich steigerndenAnsprüche an die Steuerkraft vereinigten sich, um den Glaubenan die Macht der natürlichen Entwickelung zu erschüttern undden Interessengruppen die Agitation zu erleichtern. Unter demwohlklingenden Namen «Schutz der nationalen Arbeit» sind In-dustrie und Landwirthschaft mit Zöllen beschenkt worden, derenKosten das steuerzahlende Volk zu tragen hat und deren Vor-theile nur Wenige einernten. Auch Handel und Schifffahrtversuchte man in das Bündnifs der Interessengruppen zu ziehen;und wenn dies Vorhaben mit der Lockspeise der Surtaxe depavillon und der Surtaxe d’entrepot noch vor der Geburt unterdem Proteste der zu Beglückenden ein lächerliches Ende genom-men hat, so liefs es doch in dem Retorsionsparagraphen desZollgesetzes seine Spur zurück.
Dennoch scheint es, als ob sich in neuester Zeit im Handels-