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Ueber Colonisation / von F. C. Philippson
Entstehung
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lukrativeren Straufsenzucht zugewendet haben. Trotzdem derBoden Südafrikas sich sehr wohl zur Weizen-Cultur eignet, mufsdie Cap-Colonie dennoch Getreide importiren. Es fehlt ihr aneiner regelmäfsigen Bewässerung, und wenn diese, was nicht un-möglich aber ein sehr kostspieliges Unternehmen ist, hergestelltwürde, so könnte aus Südafrika eine grofse Kornkammer werden.Im Jahre 1875 waren in der Cap-Colonie ca. 80 Millionen AcresLand in Privathänden, von denen sich jedoch nur 550000 unterCultur befanden.

Als Ackerbau -Colonie und Wohnsitz für eine grofse euro-päische Bevölkerung ist Südafrika aus den angeführten Gründenweniger als Australien geeignet, und der Staat, der es colonisirt,wird grofse Geld- und Blutopfer zu bringen haben, ehe die Schwar-zen sich der europäischen Cultur unterordnen. Die neuestenblutigen Ereignisse legen hierfür ein mahnendes Zeugnifs ab.

Wie können wir Ackerbau-Colonien erwerben?

Bei der wichtigen Frage über die Erwerbung von Ackerbau-Colonien gehen die Ansichten unserer Colonial-Agitatoren weitauseinander. So z. B. schwärmt Herr v. Weber für die Transvaal-Colonie , während Herr Fabri den wirtschaftlichen Werth dieserLänder geringer schätzt. Beide geben jedoch zu, dafs für Acker-bau-Colonien kein freies Terrain mehr vorhanden ist, dafs sichvielmehr alles überseeische, hierzu geeignete Land bereits in festenHänden befindet. Dennoch glauben sie, dafs sich auf Umwegeneine Colonisation, die in gewisser staatlicher Verbindung mitDeutschland bleibt, und zwar in Süd-Amerika hersteilen liefse.Als hierzu geeignet schlägt Herr Fabri (nach Moldenhauer undZelicke) in erster Linie die Laplatastaaten vor, ferner den süd-lichsten Theil Brasiliens die Provinzen Rio Grande do Sul, SantaCatharina und einen Theil der Provinz Parana; sodann Uruguay,Argentinien, Chili und den nördlichsten Theil von Patagonien.

Herr v. Weber hält die deutsche Massenauswanderung nachden Vereinigten Staaten für einen ungeheuren nationalökonomi -