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Ueber Colonisation / von F. C. Philippson
Entstehung
Seite
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ben, man die Jahreskosten auf 271 700 Jt taxiren müfste. DerJahresdurchsnitt des deutschen Gesammthandels mit Tonga undSamoa stellte sich in den letzten 4 Jahren auf ca. 3 J / 2 MillionenMark, demzufolge die veranschlagten Ausgaben für den maritimenSchutz derselben ca. 8 pCt. des bisherigen Umsatzes betragenwürden. Die Fortsetzung dieser Ausgabe könnte daher eher alsein Motiv gegen die Reichsgarantie angesehen werden, da sieden Schutz der deutschen Interessen in der Südsee noch mehrvertheuert.

Wie und wo wir auch colonisiren, werden wir unser Budgetauf Jahre hinaus mit grofsen Lasten beschweren, und das Re-sultat wird trotzdem ein zweifelhaftes bleiben. Herr Fabri sagt,indem er diesen Punkt bespricht: «Ohne Zweifel würden die vielenMillionen, welche für die Berliner Stadtbahn, für die Linie Berlin- Wetzlar und andere «productiven Anlagen» eiligst bewilligtworden sind, mehr als ausgereicht haben, um die mit Erwerbungetlicher Colonien verbundenen Kosten auf eine beträchtliche Reihevon Jahren zu decken», und er fügt hinzu, dafs eine solche Ver-wendung bei richtigem, sachgemäfsem Vorgehen sich schliefslichgewifs nicht als eine Vergeudung, sondern als eine für unserenNationalwohlstand wahrhaft productive Anlage erwiesen habenwürde. Herr Fabri vergifst hierbei, dafs die Wetzlar Bahn ausdringlichen strategischen Rücksichten von der Regierung verlangtund deshalb bewilligt worden ist, und dafs die Berliner Stadtbahn bei der Ausdehnung der Stadt als ein unabweisbares Bediirfnifsfür den inneren und äufseren Verkehr zu betrachten ist. Aber ab-gesehen von der Zweckmäfsigkeitsfrage beider Anlagen, die jabestritten werden kann, ist ein Vergleich zwischen der Com-plettirung eines inländischen Eisenbahnnetzes und einem über-seeischen Abenteuer doch zu gewagt, als dafs er ernsthaft be-handelt zu werden verdiente. Für unsere Eisenbahnen haben wireine mehr als vierzigjährige Erfahrung hinter uns, und könnenihre Rentabilität innerhalb gewisser enger Grenzen nicht alleintaxiren, sondern kennen auch den Einflufs, den sie auf den allge-meinen Verkehr, die Prosperität unseres Handels und unsererIndustrie besitzen, so genau, dafs selbst die Frage einer gerin-geren Rentabilität gegen die andern Vortheile, die sie uns bieten,nicht schwer in die Waage fällt. Bei der Colonisirung hingegensind wir hinsichtlich der Vortheile ganz und gar auf Vermuthungen