56
Walten des Speculatwnsgcisies in unserm Geschäftskreiseverderblich wirken muß. Jede andere kaufmännische Specu-lalion kennt kein anderes Ziel als den Gewinn, keine andereSchranke als den Verlust. Alles sucht sie in ihren Kreiszu ziehen, Alles sich zu unterwerfen. Das darf die buch-händlerische Speculation nicht. Ihr sind feste Grenzengesteckt durch die Bestimmnug des Buchhandels, wie ichdiese so eben in der Geschichte desselben nachzuweisen ver<sucht habe. Diese Bestimmung ist nicht die Herrschaft,sondern der Dien st. Dienen soll er der Religion, demRechte, der Freiheit und der Wahrheit, dienen der Wissen-schaft und ihrer Anwendung auf das Leben, diene» demschöpferischen Genius — kurz dienen jeder fruchtbring-enden, erhaltenden und fördernden Thätigkeit des menschlichenGeistes. Wollten wir diesen Dienst verlassen und bei unsernUnternehmungen blos den Gewinn im Auge haben, so wür/den wir auf die Leichtgläubigkeit, die Schwachen, die Lei-denschaflen, wo nicht gar die Laster der Menschen speculircnmüssen — Speculationcn, die wohl dem Einzelnen großenGewinn, dem Ganzen aber nur Schaden, Schande und Wer-derben bringen können. Also noch einmal: im Dienste liegtunsere Ehre, im Dienste der höchsten Interessen der Mensch-heit. Bleibt der deutsche Buchhandel, was Golt gebe, die-sein Dienste treu, so wird er sich die Achtung und das Ver-trauen der Nation sichern und früher oder später erlangen,was ihm zur vollkommnen Ausfüllung seines Wirkungskreisesfür jetzt noch maugelt; bleibt er diesem Dienste treu, sowird er bestehen und gedeihen, so lange Deutschland bestehtund gedeiht."
Nach Beendigung dieser mit der allgemeinsten Auf-merksamkeit angehörten Rede, sprach noch Herr ProfessorWolf aus Jena folgende Worte:
,, Die hochverehrteste Versammlung möge mir gestatten,einige Worte, welche die Freude des gestrige» Tages mich