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des ostelbischen Deutschlands oder die bayerische Hochebene südlich derDonau. Der Sumpf, der, nach Sombart , das klar rechnende Denken dergermanischen Völker verhindert, dagegen die Grundlage ihrer mit dem Her-kömmlichen zufriedenen Gemütsverfassung ist, findet sich auf großen Streckenauch in Palästina. 1 ) Die jährlichen Regenmengen sind bedeutend, vielfachstärker als in Deutschland . 2 ) Die ausgedehnten palästinischen Ebenen sindvon großer Mannigfaltigkeit. 3 ) Früher waren sie fruchtbarer wie heute; 4 )aber noch heute steigt die Weizenernte im Hauran, in der Philister- undJesreel-Ebene auf bis zu 28 dz auf 1 ha. 5 ) Die Halbbeduinen im Hauranernähren sich ausschließlich von Landwirtschaft. 6 ) Dem entspricht, was sichaus dem alten Testamente über die Wirtschaft der Israeliten entnehmen läßt.Man schlage es auf, wo man will, und man wird finden, daß von Getreide-feldern und Fruchtgärten, Weinbergen, Feigen- und Ölbäumen mindestensebenso viel die Rede ist, wie von Weiden und Viehzucht. In vielen Schriftenist von letzteren gar nicht mehr die Rede. So spricht der Prophet Hosea 7 )(um 750 v. Chr.) fast nur von Korn, Most und Öl, von Weinstöcken undFeigenbäumen und in der Weissagung Mosis 8 ) heißt es: »So wohnte Israelin Sicherheit, gesondert der Quell (d. h. das Volk) Jakobs, in einem Lande,voll Getreide und Most, und sein Himmel träufelte Tau;« von Weiden , Her-den und Milch findet sich nicht mehr ein Wort. Beim Propheten Arnos 9 )heißt es: »Prächtige Weinberge pflanztet ihr, aber ihr werdet ihren Weinnicht trinken«, bei Micha 10 ): »Du wirst säen und nicht ernten, die Olivenauspressen, aber dich nicht damit salben, und Most (gewinnen) aber keinenWein trinken«; bei Joel 11 ) und im 104. Psalm: »Der Mensch geht an seineArbeit und an sein Ackerwerk bis an den Abend«; u. s. w. 12 ) Man leseferner die Vorschriften über das Sabbatjahr, die Ackerecke, die Nachlese underwäge, daß Nehemia' 3 ) wohl vom Zehnt aller Art von Bodenfrüchten, da-gegen schlechterdings nichts vom Viehzehnten weiß; daß es vom StammeAscher’ 4 ) heißt, er habe Überfluß an Getreide, Most und Öl; daß in den»Sprüchen« nur ein einziges Mal’ 5 ) von Schafen und Herden die Rede ist,
’) Auhagen S. 11, 13, 21. 2 ) Ebenda S. 12. 3 ) Ebenda S. 13.
4 ) Ebenda S. 17. Vgl. für Getreidefelder und Fruchtgärten in alten Zeiten
auch Löhr a. a. O. S. 19, 22, 23.
5 ) Auhagen S. 59. 6 ) Ebenda S. 46.
7 ) Hosea 2, 8; 2, 12; 2, 22; 7, 14; 9, 2.
8 ) Deut. 33, 28. 9 ) Amos S. 11.
’°) Micha 6, 15; vgl. auch 7, 1. “) Joel, Kap. I. passim.
) Siehe z. B. Hiob 4, 8; 5, 5 ff.; 5, 26; 8, 17; Jesaia 55, 10.
’ 3 ) Nehemia 10, 38ff., 12, 44fF., 13, 5, 12.
’ 4 ) Gen. 49, 20 und Deut. 33, 24. ’ 5 ) Sprüche Salamos 27, 23, 24.
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