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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
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158
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III. Judentum und Kapitalismus .

Sombart hatte in seinem Werke von 1902 gelehrt, in der kapitalistischen Unternehmung sei an die Stelle der Fürsorge für die persönlichen Bedürfnissedes Wirtschafters die Verwertung des Kapitals als Zweck der Wirtschaftgetreten, das heißt ein abstrakter und unbegrenzter Zweck an die Stelledes früheren begrenzten. Davon habe der kapitalistische Geist, das un-begrenzte Streben nach Reichtum, seinen Ausgang genommen. Daraufkam im Jahre 1904 Max Weber und fand einen persönlichen Träger fürdieses abstrakte Ziel. Auch nach ihm widerspricht das unbegrenzte Strebennach Reichtum der Natur des Menschen. Um diesen dazu zu bringen,solchem naturwidrigen Ziele sein Leben in allen seinen Einzelheiten unter-zuordnen, mußte der triebhafte Mensch erst diszipliniert werden. DieseDisziplinierung sei durch den Puritanismus erfolgt. Er lehrte die Verherr-lichung Gottes durch rastlose Erfüllung der weltlichen Berufspflicht und sahin dem Genuß des Schönen und Guten, was die Welt bietet, nur Ablen-kungen von der einem Jeden von Gott gestellten Aufgabe; in dem wirt-schaftlichen Erfolg der Berufsarbeit und den guten Werken, die man mittelstderselben verrichte, sah er sichtbare Zeichen, daß man sich im rechtenGlauben und in der Gnade Gottes befinde. Je größer der Gewinn destogrößer der sichtbare Gnadenstand. Der Puritaner strebte also nach demgrößten Gewinn nicht bloß, um reich zu werden, sondern auch, um zumewigen Leben zu gelangen.

Ich will ganz davon absehen, daß damit die Lehre Sombarts, daß inder kapitalistischen Unternehmung ein abstrakter Zweck der Wirtschaft andie Stelle des konkreten, der Fürsorge für die persönlichen Bedürfnisse desWirtschafters trete, wieder verlassen ist. Denn zu den persönlichen Be-dürfnissen gehört auch die Fürsorge für die Zeit nach dem Tode. Undwenn dieses Bedürfnis so stark war, daß es alles Triebhafte im Menschenzu disziplinieren und dessen ganzes Leben zu rationalisieren imstande war,ist dies ein Beweis für die Intensität, mit welcher dieses Bedürfnis vomPuritaner empfunden wurde. Trotzdem huldigt auch Max Weber der LehreSombarts, daß mit der kapitalistischen Unternehmung ein abstrakter an dieStelle der früheren konkreten Zwecke der Wirtschaft getreten sei. Indeses gibt noch ganz andere Gründe, welche die Irrigkeit der WeberschenThese dartun. Ich habe sie im vorigen Abschnitt dargelegt.