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Die Anfänge des modernen Kapitalismus : Festrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K. Akademie der Wissenschaften am 15. März 1913
Entstehung
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7§

III. Exkurs.

Handel, Puritanismus, Judentum und Kapitalismus .

I. Handel und Kapitalismus .

Im Jahre 1902 ist das zweibändige Werk von Werner Sombart »Dermoderne Kapitalismus« erschienen. Das Werk ist kein historisches; nur dererste Band »Die Genesis des Kapitalismus« beschäftigt sich überhaupt mitgeschichtlichen Problemen; es ist ein theoretisches Buch und will auch inletzter Linie nichts anderes sein; die Geschichte dient dem Verfasser nurzum Nachweis der Richtigkeit seiner theoretischen Sätze. Trotzdem hat dasBuch in den Kreisen der Historiker Aufsehen wie wenige andere erregt.Bald nach seinem Erscheinen hat man auf dem Historikertag in Heidelberg darüber verhandelt; eingehende Kritiken namhafter Historiker sind darüberveröffentlicht worden; ganze Bücher wurden gegen seine Aufstellungen ge-schrieben. Sehr begreiflich. Ist doch das Werk trotz seiner vielen, zumTeil schreiender Geschmackswidrigkeiten augenscheinlich die Frucht außer-ordentlich fleißiger und umfassender Studien eines sehr begabten Mannes,und wenn seine I.ehren alle richtig wären, müßte die Welt Alles umlernen,was sie seit Ezechiel, Thukydides und Aristoteles über die Bedeutung desHandels für die Anhäufung des Reichtums wie für den Entwicklungsgangder Kultur gedacht und gelehrt hat.

Um mit Aristoteles zu beginnen. Er hat zwischen Haushaltskunst undBereicherungskunst unterschieden; 1 ) Einige, sagt er, identifizierten die Be-reicherungskunst mit der Haushaltungskunst, während Andere sie nur fürderen wichtigsten Teil gelten lassen wollten. Auf die Erörterung dieserFrage geht er dann an späterer Stelle ein: 2 ) es sei klar, daß Bereicherungs-kunst nicht einerlei sei mit Haushaltungskunst, denn jene gehe auf Erwerb,diese auf Bedarfsdeckung; wohl aber lasse sich streiten, ob die Bereiche-rungskunst ein Teil der Haushaltungskunst sei oder eine andere Art vonWissenschaft. Eine Art von Erwerbskunst gehöre zur Haushaltungskunst,nämlich die, welche auf den Erwerb der Dinge gehe, die zum Leben not-wendig und zum gemeinen Nutzen des Staats oder der Familie dienlich seien;

x ) Politik I

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2 ) Politik I 8.