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I. Exkurs.
Über Begriff und Wandlungen der Wirtschaftseinheit.
Seit Dezennien behandeln wir im Gegensätze zu den klassischen National-ökonomen die Volkswirtschaftslehre vom geschichtlichen Standpunkt. Alleinselbst die historische Schule in der Nationalökonomie scheint mir noch anmanchen Irrtümern zu kranken, welche an die Betrachtungsweise der klas-sischen Nationalökonomie anknüpfen. Diese gingen von dem Einzelnen aus,von seinen Bedürfnissen und seiner auf dessen Befriedigung gerichtetenTätigkeit: der Einzelne war ihnen die Wirtschaftseinheit. So sehr auch imÜbrigen die Betrachtungsweise der historischen von der der klassischenNational Ökonomen verschieden ist, in diesem Punkte haben sie nichts ge-ändert. Sie haben die Frage nicht aufgeworfen, was denn im Leben wirk-lich die Wirtschaftseinheit sei, und welche Wandlungen sie im Laufe derZeiten durchgemacht habe. Damit scheint mir manches irrige Urteil sowohlüber vergangene, wie gegenwärtige wirtschaftliche Erscheinungen zusammen-zuhängen.
Es ist nur zögernd, daß ich im Folgenden meine diesbezüglichen An-schauungen darlege. Denn um das Thema zu erledigen, würde statt einesAufsatzes ein großes Werk nötig sein. Aber ich erachte, was ich über dieFrage zu sagen habe, für das Verständnis des Kapitalismus und seiner Ent-wicklung so wesentlich, daß ich, auf die Gefahr hin, vielen Vorwürfen zubegegnen, es an dieser Stelle aussprechen muß. Ich gebe es ohne allenweiteren Anspruch als den, etwas in den Vordergrund zu rücken, was mirbisher nicht genügend beachtet worden zu sein scheint, und in der Hoffnung,durch die Kritik, der es begegnen wird, hinzu zu lernen.
Zunächst ein paar Worte über den Begriff. Wirtschaftseinheit ist nichtetwa dasselbe wie ein einzelner Mensch. Das ist es selbst heute noch nicht,geschweige denn in vergangenen Zeiten. Nehmen wir z. B. eine heutige