II?
in die Lehre der alten englischen Nationalökonomen, welche angesichts derTatsache, daß nur derjenige die Funktionen eines Geschäftsunternehmers er-füllen kann, der über Kapital verfügt, und zwar nur in dem Maße, in dem erdies tut, über dem Kapitalbesitz die Person desjenigen, durch dessen Erkennenund Wollen das Kapital erst belebt wird, so sehr vergessen haben, daß beiihnen ein Wort für Unternehmer sich gar nicht findet. Von diesem Stand-punkt aus wirkt das in einem Unternehmen nutzbar gemachte Kapital, wieein Automat — es strebt objektiv nach ungemessenem Gewinn und seinGelingen erscheint unabhängig von den Zufälligkeiten der Individuen. 1 ) Esbleibt dann nur unerklärt, warum Kapitalien von gleicher Größe in der einenAnlage glänzenden Gewinn abwerfen, in einer anderen daneben gar keinen.Wie viel einsichtsvoller war da nicht schon Antonin von Florenz , geb. 1389,gest. 1459, a l s er schrieb: 2 ) »Pecunia ex se sola minime est lucrosa nec valetseipsam multiplicare; sed ex industria mercantium fit per eorum mercationeslucrosa«, und wie viel treffender hat da nicht einer der größten modernenUnternehmer, Dr. Strousberg, das Verhältnis gekennzeichnet als er dieAktiengesellschaft eine Begattung zwischen Kapital und Intelligenz genannthat. 3 ) Denn selbst in der Aktiengesellschaft hat der moderne Kapitalismusnur etwas Unpersönliches erlangt. Auch in den erfolgreichsten modernenKapitalkonzentrationen, den amerikanischen Trusts, zeigt sich im Erstrebenwie im Vollenden die mächtige Persönlichkeit ihrer Leiter; ohne diese wäreihr Erfolg nicht zu denken. Weit entfernt davon, daß sie unpersönlich seien,bedeuten sie vielmehr die Ausstattung von Cäsarennaturen mit den Hülfs-mitteln von Massen zur höchsten Ausbildung der Persönlichkeit ihrer Leiter.
II. Puritanismus und Kapitalismus.
Die Lehre des christlichen Altertums wie die des Mittelalters hat dasunbegrenzte Streben nach Reichtum mißbilligt. Das Evangelium hatte dieMenschen verschiedentlich vor dem Trachten nach Reichtum gewarnt. »Nie-mand kann zweien Herren dienen« heißt es bei Matthäus im 6. Kapitel.»Entweder wird er einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einemanhängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und demMammon«. Dem Jüngling der frug: was soll ich Gutes tun, damit ich das
') Sombart a. a. O.
2 ) Siehe Funk, Über die ökonomischen Anschauungen der mittelalterlichenTheologen, in der Tübinger Ztschr. f. d. Ges. Staatswissensch. XXV, 151.
3 ) Dr. Strousberg und sein Wirken von ihm selbst geschildert. Berlin 1876, S. 34.