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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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30 Die griechische Wirtschaftsentwicklung.

Dieser große Gewinn hat ermöglicht, daß in dem ingroßen Gebieten seines Festlandes und auf seinen Inselnso unfruchtbaren Griechenland schon früh eine verhältnis-mäßig dichte Bevölkerung Platz gefunden hat. Daß alsletzte Ursache des trojanischen Kriegs die damals herr-schende Übervölkerung bezeichnet worden ist, habe ichschon erwähnt. Wie früh die Furcht der Übervölkerungdie Geister beherrscht hat, zeigt, daß bereits Hesiod 4 ) eineBeschränkung der Kinderzahl empfohlen hat, um der Ge-fahr zu begegnen, und Aristoteles berichtet von Maßnahmen,die man in Kreta ergriffen habe, damit die Frauen nichtzu viel Kinder bekämen 1 2 ). Daher auch die großartigeKolonisationstätigkeit der Griechen, die seit dem 8. bis ins6. Jahrhundert dazu geführt hat, daß alle Küsten desMittelmeers vom Kaukasus und der Krim angefangen bisnach Sizilien und Campanien von den Griechen besetzt wordensind 3 4 ). Griechenland zerfiel infolgedessen in drei Gruppen:

die eine vom Olymp bis an die Südspitze des Pelopon-neses samt den zugehörigen Inseln;

die zweite bestehend aus Sizilien und Unteritalien(Großgriechenland);

die dritte aus den Ansiedlungen an der Küste Klein-asiens und auf den benachbarten Inseln.

Außerdem gab es griechische Niederlassungen an denKüsten von Makedonien, Thrakien , lllyrien, Gallien, Afrika.

Was alle miteinander verband, war der Seehandel. Eserhellt: sobald die Volkszahl der Griechen zunahm, hat diekärgliche Natur der Mehrzahl der von ihnen bewohntenGebiete sie zu derjenigen Erwerbstätigkeit genötigt, welcheihrem Wesen nach kapitalistisch ist; was sie dabei beseeltund zur Mehrung des Wohlstands geführt hat, war dasStreben nach Gewinn. Das liegt in der Natur der Dinge;zudem wird es durch Thukydides noch ausdrücklich be-zeugt 4 ). Damit gelangen wir zum dritten Stadium der

1) Erga 376 f.

2) Politik II, 10.

3) Be loch, Bevölkerung, 491.

4) Vgl. Thukydides I, 8.