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Das Wirtschaftsleben der antiken Welt : Vorlesungen gehalten als Einl. z. Wirtschaftsgeschichte d. Mittelalters / von Lujo Brentano
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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.

des Handels unsicher. Daher schon Minos mit der See-räuberei aufzuräumen begonnen hat 1 ). Im 6. Jahrhundertwird das Räuberleben aufgegeben und die Schiffahrt nurmehr dem Handel dienstbar gemacht 2 ). Der Seeraub hörtauf, als anständiges Gewerbe zu gelten, wenigstens soferner gegen Griechen gerichtet war. Der Handel ist dannzunächst bei den Ioniern zu höherer Ausbildung gelangt.Indes haben auch die Dorier, wo sie Gegenden bewohnten,deren natürliche Verhältnisse sie auf den Seeverkehr be-sonders hingewiesen, wie die Dorier in Ägina, Korinth ,Megara und Argos, sich am Seehandel lebhaft beteiligt. Esist hier nicht möglich, alle Inseln und an der See ge-legenen Städte, die mit wechselndem Glück nunmehr amHandel teilnahmen, hervorzuheben 3 ). Seitdem Themistoklesdas bis dahin im Handel wenig hervorgetretene Athen aufdie See verwiesen hatte, hat es sie alle alsbald überflügelt.Die Perserkriege haben Athen zur ersten griechischen See-macht gemacht, und bald war es der Mittelpunkt des ganzengriechischen Handels.

Angesichts dieser das griechische Wirtschaftsleben be-herrschenden Stellung des Handels ist es verwunderlich,wie man daran hat denken können, die schon erwähnteRodbertussche Lehre von einer wirtschaftlichen Autarkiedes einzelnen Haushalts auch auf die nachhomerische Zeitauszudehnen. Ist doch Attika 4 ) schon seit Ausgang des7. Jahrhunderts, das übrige Griechenland 5 ) wenigstens seitAnfang des 5. genötigt gewesen, einen Teil seines Getreide-bedarfs vom Auslande einzuführen. Dabei wurde strengverboten, Getreide auszuführen; es wurde den Bürgern allerZwischenhandel in Getreide untersagt; unter Androhung derschärfsten Strafen wurde befohlen, nach keinen andernPlätzen als Athen Getreide zu führen; selbst Ausländer, die

1) Vgl. Thukydides I, 4 und 8.

2) Büchsenschütz, 381 ff.

3) Vgl. darüber K. D. 11 mann, Handelsgeschichte derGriechen, und Büchsenschütz, S. 382418.

4) Vgl. Plutarch, Solon 22, 24.

5) Siehe Herodot VII, 147.