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Die griechische Wirtschaftsentwicklung.
Erzeugnisse zu, und was bei uns das Land Gutes hervor-bringt, können wir nicht in höherem Maße als unser Eigen-tum genießen, als was von anderen Völkern zu uns kommt“,und Xenophon 1 ) schreibt über Athen: „Was es in Sizilien Angenehmes gibt, oder in Italien , oder in Cypern, oder inÄgypten, oder in Lydien, oder in Pontos, oder im Pelo-ponnes , oder anderswo, wurde durch die Seeherrschaft alleshier an einem Punkt zusammengebracht.“ Alle diese Äuße-rungen stehen in schneidendem Widerspruch zur Lehrevon der wirtschaftlichen Autarkie der einzelnen Haus-haltungen. Athen war aber nicht die einzige Stadt, inwelcher der Handel also blühte; neben ihm sind besondersKerkyra und Korinth zu nennen, deren Stärke der Handelnach Westen gewesen ist.
Die erste Wirkung der Trennung des griechischenHandels vom Seeraub ist also der Aufschwung dieses Han-dels selbst gewesen; eine zweite einschneidende Folgeeben dieses Aufschwunges des Handels habe ich eben er-wähnt: das Aufkommen der Verarbeitung der Rohstoffeals selbständiger Wirtschaftsbetrieb, mit andern Worten dieEntstehung des Gewerbebetriebs als Grundlage derWirtschaft einzelner.
Der geschilderte Aufschwung des griechischen Han-dels setzte nämlich Waren voraus, welche gegen diefremden hingegeben werden konnten. Verfügte die eineoder andere griechische Landschaft auch über dazu ge-eignete Rohstoffe, so reichten sie doch zur Bezahlung derEinfuhr nicht aus. Es entwickelten sich Gewerbe, die fürdie Ausfuhr arbeiteten. So fabrizierten die Milesier vorallem Wollstoffe, Purpurgewänder, Teppiche, diesie über Sybaris nach Italien ausführten, namentlich an dieEtrusker; mit ihnen rivalisierten Chios und Samos . Durchihre Metallarbeiten, Waffen, Gefäße, Schmuck-gegenstände wurden Korinth, Chalkis , Argos vor allemberühmt. Aus Kyrene, Theben, Sizilien bezog man die
1) Xenophon, Von der Staatsverfassung der Athener II 7;auch 11.